Donated with Love
Shownotes
Shownotes
In dieser Folge von Lange Ohren sprechen Clarissa Stadler und Ralph Gleis in der ALBERTINA KLOSTERNEUBURG über die lange Tradition des Schenkens und darüber, wie aus privaten Gesten, künstlerischen Beziehungen und gezielten Förderungen neue Kapitel der Sammlungsgeschichte entstehen. Ausgehend von der Ausstellung DONATED WITH LOVE führt das Gespräch zu der Frage, warum Schenkungen für ein Museum weit mehr sind als schöne Geschenke: Sie schließen Lücken, setzen neue Akzente und helfen, die Sammlung in die Zukunft zu führen.
Ralph Gleis erzählt von persönlichen Begegnungen und institutionellen Verbindungen, von Sean Scullys Atelier in New York, von Werken Roy Lichtensteins, von der Sammlung Essl und von Freundinnen und Freunden des Hauses, die gezielte Erwerbungen ermöglichen. Zugleich wird deutlich, wie viel Verantwortung mit jeder Schenkung verbunden ist: Ein Werk muss zur Sammlung passen, bewahrt, erforscht und gezeigt werden können, und gerade bei älteren Arbeiten spielt Provenienzforschung eine zentrale Rolle.
Im Mittelpunkt steht damit auch die Sammlungsstrategie der kommenden Jahre: die ALBERTINA will aktiv, gegenwartsbezogen und diverser sammeln, bisher übersehene Positionen neu sichtbar machen und besonders Künstlerinnen stärker in den Blick rücken. So wird aus einem Haus voller Geschenke ein Ort, an dem Schenken und Zeigen zusammengehören.
Mehr erfahren? Die Ausstellung DONATED WITH LOVE ist bis 15. November 2026 in der ALBERTINA KLOSTERNEUBURG zu sehen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Meistens steht hinter so einer Schenkung eine lange und innige Verbindung, auch eine Dankbarkeit, dass man vielleicht
00:00:06: ausgestellt hat und eine Beziehung zu den Künstlerinnen und Künstlern.
00:00:10: Es ist eine große Freude, mit diesen Geschenken auch produktiv umzugehen und daraus die Sammlung der Zukunft zu formen.
00:00:17: Sagt Ralph Gleis, Generaldirektor der ALBERTINA, den ich für den Podcast Lange Ohren getroffen habe, um mit ihm über Schenkungen
00:00:24: an das Haus zu sprechen
00:00:26: und über Zeitreisen, die die besondere Sammlung der ALBERTINA uns allen ermöglichen kann und die wir auch in diesem Podcast
00:00:32: wieder unternehmen wollen.
00:00:34: Mein Name ist Clarissa Stadler, ich bin Journalistin und Autorin und sage herzlich willkommen, Ralph Gleis.
00:00:40: Hallo, liebe Clarissa.
00:00:42: Lange Ohren, der ALBERTINA Podcast.
00:00:45: Wir treffen uns heute vor den Toren der Stadt in Klosterneuburg, wo die ALBERTINA eine Außenstelle hat.
00:00:51: Und hier in luftiger Architektur kann man im Jubiläumsjahr 2026 eine Ausstellung mit dem schönen Titel Donated with Love sehen.
00:01:02: Mit Liebe geschenkt werden nämlich regelmäßig Kunstwerke an die ALBERTINA und heute wollen wir uns einmal über diese Schenkungen
00:01:09: unterhalten.
00:01:11: Ralph, man könnte ja glatt meinen, für die ALBERTINA ist immer Weihnachten, ständig trudeln Kunstwerke aller Art ein, Blätter,
00:01:17: Gemälde, Skulpturen.
00:01:19: Ist das so?
00:01:20: Ja, es ist Weihnachten und Geburtstag zugleich.
00:01:23: Wir feiern heuer ja 250. Jubiläum und wir haben gedacht, so eine Geburtstagsparty ist nichts ohne Geschenke.
00:01:31: Aber tatsächlich beschreibt das Ganze nicht nur den aktuellen Stand unserer Schenkung, sondern lässt uns mal einen Blick
00:01:40: werfen auf unsere Geschichte, auf die Zukunft auch
00:01:44: und wie man mit der Sammlung und der Erweiterung der Sammlung umgeht.
00:01:49: Von wem kommen denn da die Geschenke und wie kommt es zu dieser Tradition?
00:01:54: Die Geschenke an das Haus kommen von ganz unterschiedlicher Seite.
00:01:59: Das sind einerseits Privatpersonen, die einfach dem Museum sehr positiv gegenüberstehen und denken, sie würden uns gerne
00:02:08: unterstützen, bei unserem Auftrag zu sammeln.
00:02:12: Es sind aber auch Künstlerinnen und Künstler, die mit uns in Verbindung stehen, die uns gerne Werke überlassen und es war
00:02:21: sicherlich so eine Tradition, die aus der Historie des Hauses begründet ist.
00:02:26: Nämlich, dass wir eines der weltweit größten Museen sind für die Kunst auf Papier, dass wir bestimmte Künstlerinnen und Künstler
00:02:36: hier repräsentiert sehen durch ihr druckgrafisches Werk oder durch Arbeiten auf Papier.
00:02:43: Und so sind eben, ich nenne mal als Beispiel, Sean Scully über Jahre mit dem Haus verbunden, weil sie immer wieder die
00:02:51: aktuellen Druckgrafiken an das Haus geschenkt haben.
00:02:55: Und ich finde, es ist eine fantastische Tradition, die wir natürlich gerne fortsetzen.
00:02:58: Wie kam es denn dazu, dass Sean Scully, ein großer, nicht figurativer Künstler, ausgerechnet eine Beziehung zu Wien
00:03:06: aufgebaut hat? Und wann hast du den getroffen?
00:03:11: Das sind zwei weit auseinanderliegende Punkte in der Geschichte, die hier beschrieben sind.
00:03:16: Und das eine ist, ich glaube, die Beziehung zu Wien datiert wirklich schon weit zurück, auch aus der Perspektive, dass wir
00:03:24: wirklich international gesehen werden als so ein Zentrum für Kunst auf Papier,
00:03:30: war die Überlegung des Künstlers, sein Oeuvre in den Druckgrafiken, das ist ja dann auch eine Kunst, die nicht nur
00:03:37: singulär ist, sondern eben in verschiedener Auflage erscheint, an einem Ort einmal zu versammeln.
00:03:44: Und das ist, glaube ich, so etwas, was wenige Museen überhaupt anbieten, so eine lange Partnerschaft.
00:03:50: Und dann kam es tatsächlich vor diesem Hintergrund zu einem Treffen, das war im letzten Jahr, im Frühjahr war ich in New
00:03:57: York und habe Scully getroffen.
00:04:00: Ich habe gefragt, ob wir uns einmal in seinem Atelier verabreden können und hat er gesagt, natürlich, sehr gerne und vor allem
00:04:06: durch diese Verbindung zu ALBERTINA war er sehr bereit, mir einfach so einen Einblick in das Studio zu geben.
00:04:12: Und aus diesem Gespräch ist dann gleich noch etwas ganz Neues entstanden.
00:04:17: Wenn man sich die Namen da durchliest, der Künstler und Künstlerinnen, deren Werke zu sehen sind in dieser Donated with
00:04:25: Love Ausstellung,
00:04:27: dann sieht man zum Beispiel auch Alex Katz oder Roy Lichtenstein, also eben wirklich sehr, sehr große Namen, in
00:04:34: diesem Fall US-amerikanischer Künstler.
00:04:38: Nochmal die Frage, wie kommen denn sozusagen diese internationalen Künstler nach Wien?
00:04:43: Sind das dann teilweise auch persönliche Kontakte?
00:04:46: Haben die Galerien, die sie vermitteln?
00:04:48: Wie kommt es überhaupt dazu, dass ein Künstler an eine Institution etwas schenkt?
00:04:53: Tritt die Institution an Ihnen heran oder der Künstler über die Galerie?
00:04:57: Oder wie muss man sich das vorstellen?
00:05:01: Ich glaube, die Fragen müssen wir nacheinander beantworten, weil es gibt tatsächlich so viele Antworten, wie es Künstlerinnen und
00:05:07: Künstler gibt.
00:05:08: Es ist gar nicht so einfach, das sortiert zu beantworten.
00:05:12: Aber bleiben wir mal bei dem Beispiel Roy Lichtenstein.
00:05:16: Da war es so, dass tatsächlich dieser großartige Künstler der Pop-Art seinen 100. Geburtstag, natürlich posthum, gefeiert hat.
00:05:26: Und es war so, dass es interessanterweise weltweit kaum Ausstellungen gab zu diesem Zeitpunkt, weil das in die Pandemie
00:05:34: fiel.
00:05:34: Und es war auch eine Geschichte, die so ein bisschen unter dem Radar lief.
00:05:40: Und es war dann ein kluger Schachzug hier in der ALBERTINA, das man quasi nachgefeiert hat.
00:05:47: Und das war eine der größten Ausstellungen zu Roy Lichtenstein, die dann stattgefunden hat.
00:05:52: Und dort gab es eine direkte Verbindung zur Foundation, die sich mit dem Nachlass von Lichtenstein beschäftigt.
00:06:00: Und man konnte schon in dieser Ausstellung sehen, Roy Lichtenstein ist nicht nur ein begnadeter Maler und Grafiker,
00:06:07: sondern er hat viele seiner Ideen auch dreidimensional umgesetzt.
00:06:12: Und dieser Teil ist weniger bekannt und weniger in Museen präsent.
00:06:16: So kann man also seine Brushstrokes, also seine Pinselstriche,
00:06:21: auch als Aluminium geformte figurative Elemente im Raum bewundern.
00:06:28: Und so ist es gekommen, dass wir davon eine ganze Reihe geschenkt bekommen haben.
00:06:34: Und als wir jetzt dann in diesem Jahr gesprochen haben über unser großes Jubiläum,
00:06:39: dass also nicht nur Sie einen runden Geburtstag hatten,
00:06:42: sondern eben auch die ALBERTINA, 250 Jahre wird,
00:06:47: und dann noch am 4. Juli, der natürlich auch für Amerika eine große Bedeutung als Gründungsdatum hat.
00:06:54: Da war man gleich sicher, man möchte der ALBERTINA weitere schenken.
00:06:58: Und wir haben zum Beispiel eine wunderbare große Außenskulptur geschenkt bekommen.
00:07:04: Eine Lampe, die so mit Strahlen bis auf den Boden skulptural ausgearbeitet ist und über 3,50 Meter groß ist.
00:07:12: Und das war ein Werk, was dann eben hier zu diesem Anlass gegeben wurde.
00:07:18: Und man merkt, meistens steht hinter so einer Schenkung eine lange und innige Verbindung,
00:07:23: auch eine Dankbarkeit, dass man vielleicht ausgestellt hat
00:07:26: und eine Beziehung zu den Künstlerinnen und Künstlern.
00:07:30: Und das ist der andere Teil der Antwort, wonach du gefragt hast.
00:07:34: Meistens ist es so, wir gehen schon konkret auf Künstlerinnen und Künstler zu
00:07:39: und wollen mit denen arbeiten.
00:07:41: Und wenn am Ende dann auch noch das dazu kommt,
00:07:44: dass wir Schenkungen bekommen oder Erwerbungen umsetzen können,
00:07:48: dann freuen wir uns natürlich umso mehr.
00:07:50: Denn ein Teil einer gedachten Sammlungsstrategie ist natürlich auch,
00:07:54: entlang von Ausstellungen die Sammlung zu erweitern.
00:07:57: Denn wir machen diese Ausstellung ja nicht ohne Grund,
00:08:00: sondern weil wir etwas Besonderes darin sehen.
00:08:03: Nicht alle lassen wahrscheinlich Geschenke da, nachdem sie ausgestellt wurden.
00:08:08: Hat Marina Abramović ein Geschenk dagelassen?
00:08:11: Also nicht in Form einer Arbeit.
00:08:14: Wir arbeiten mit Künstlerinnen und Künstlern unter anderem auch so zusammen,
00:08:18: dass wir gerne eben Editionen, also Kunstwerke, die in Auflagen erscheinen
00:08:24: und die eben so günstig sind, dass sie auch ein breiteres Sammelpublikum erreichen,
00:08:30: anfertigen lassen.
00:08:32: Das finde ich ist schon auch ein Geschenk der jeweiligen Künstlerinnen und Künstler.
00:08:36: Aber es ist natürlich auch in der Natur der Sache,
00:08:38: dass die Performance-Kunst schwerer festzuhalten ist als zum Beispiel ein Gemälde.
00:08:44: Aber vielleicht noch mal ganz kurz, weil ich gerade Gemälde sagte,
00:08:47: noch mal zurück zu dem gerade genannten Scully.
00:08:50: Als ich dann ihn besucht habe und auf diese lange Tradition der grafischen Werke in der ALBERTINA angesprochen habe,
00:08:57: da habe ich gesagt, ganz ehrlich, ich kannte ihn vorher einfach als Maler.
00:09:02: Und dann hat er gesagt, ja, schauen Sie hier, das sind die Werke, die ich hier schon für Sie aufgehängt habe.
00:09:07: Da gibt es Unterschiedliches, was ihn einfach an mich erinnert hat.
00:09:11: Und da war ich natürlich neugierig geworden, weil ich gesagt habe,
00:09:13: naja, wir kennen uns ja gar nicht.
00:09:14: Und wie kann ihn ein Werk, was er gemalt hat, jetzt an mich jetzt erinnern?
00:09:19: Und er sagte, naja, er wurde interviewt zum Mönch am Meer,
00:09:23: also dem berühmtesten Werk von Caspar David Friedrich,
00:09:26: was genau zu diesem Zeitpunkt im Metropolitan in New York ausgestellt war.
00:09:30: Und dort ist natürlich so, wenn man so will, eine Farbflächenmalerei avant la lettre entstanden,
00:09:38: wo eben der dunkle Himmel und der helle Strand fast ununterbrochen
00:09:42: durch diese kleine Figur des Mönchs eben dargestellt ist.
00:09:46: Und so kann man sich ja auch Scullys Werke vorstellen,
00:09:49: wo eben Farbschichten aufeinander ruhen und Beziehungen haben.
00:09:52: Und er hat gesagt, darüber hat er philosophiert.
00:09:54: Und er hat sich so gefreut, mich dann kennenzulernen als Experte zu diesem Feld.
00:09:59: Und wir kamen ins Gespräch und ich sagte, es ist fantastisch,
00:10:02: so ein Werk wäre natürlich auch großartig.
00:10:04: Und wir sprechen hier großartig wirklich von dreimal vier Metern.
00:10:08: Also riesig, dieses Gemälde.
00:10:11: Und dann hat er gesagt, naja, das würde er uns schon gerne schenken,
00:10:14: auch in der ALBERTINA.
00:10:16: Und nach dem weiteren Gespräch über die Werke, die an der Wand hingen,
00:10:20: etwa ein Werk, was so einen, man kennt ja diese Arbeiten als farbintensiv,
00:10:26: rot-schwarze Balken, gelb-weiß-Schwarz-Kontraste.
00:10:30: Da hat er mir eines gezeigt, was so ziemlich monochrom,
00:10:33: aber schon in dieser Streifenstruktur aufgebaut ist.
00:10:36: Und er hat gesagt, das finde ich zum Beispiel unheimlich beeindruckend.
00:10:39: Und dann hat er gesagt, so beiläufig, ja, er hat es zurückgekauft.
00:10:42: Das ist schon von 1974.
00:10:44: Und er ist im Moment so wohlhabend,
00:10:47: dass er durchaus auch mal seine Sammlung wieder vermehren kann
00:10:50: und Sachen zurückkaufen.
00:10:52: Und er findet es wichtig, dass er die Sachen eben in guten Händen weiß.
00:10:57: Und am Ende des Gesprächs bin ich nach Hause gefahren
00:11:00: mit dem Versprechen, dass er uns sechs Gemälde,
00:11:03: unter anderem auch dieses von 1974, also mitschenkt.
00:11:06: Weil unser Gespräch dahingehend war,
00:11:09: dass wir ihn ja gar nicht als kompletten Künstler,
00:11:12: der in verschiedenen Medien arbeitet,
00:11:14: so gesammelt haben, wie es sich gehört.
00:11:16: Und er hat das unterstützt.
00:11:18: Und wie gesagt, er kann sich das natürlich auch erlauben.
00:11:21: Er ist schon ein erfolgreicher Künstler,
00:11:23: am vielleicht letzten Viertel seines Lebens angelangt,
00:11:28: der schon ein bisschen an den Nachlass denkt.
00:11:31: Und so kommen Schenkungen auch manchmal zustande.
00:11:33: Also es sind sehr wirklich individuelle Gründe.
00:11:36: Das zeugt von ziemlich viel Stil und Großzügigkeit.
00:11:40: Sind Geschenke immer willkommen?
00:11:42: Oder gibt es auch Danaergeschenke,
00:11:45: wo man sich gar nicht so freut,
00:11:46: wenn die einem förmlich aufgedrängt werden?
00:11:49: Tatsächlich gibt es, wenn man so will,
00:11:51: eine Art Warnhinweis auf unserer Homepage,
00:11:54: der da lautet,
00:11:55: Schenkungen von Kunstwerken nehmen wir nur
00:11:57: auf der Grundlage vorheriger konkreter Absprachen an.
00:12:00: Bitte beachten Sie,
00:12:01: dass unaufgefordert eingesandte Dokumente,
00:12:03: Manuskripte, Objekte, Kunstwerke
00:12:05: oder andere Materialien
00:12:06: weder retourniert,
00:12:08: noch in die Sammlung der ALBERTINA
00:12:09: aufgenommen werden können.
00:12:11: Das Museum übernimmt keine Haftung
00:12:13: für unverlangte Einsendungen
00:12:15: und behält sich vor, diese zu entsorgen.
00:12:18: Leider müssen wir schon so strikt vorgehen,
00:12:20: denn wir sind natürlich am Ende
00:12:23: dann doch eher eine Kunstsammlung
00:12:25: und nicht eine Ansammlung
00:12:26: oder Anhäufung von Gegenständen.
00:12:28: Und man muss da schon
00:12:29: nach strikten Kriterien vorgehen,
00:12:32: denn sonst hätten wir tatsächlich
00:12:33: mehr Last als Lust mit dem Schenken.
00:12:36: Wir haben uns tatsächlich
00:12:37: auch eine Sammlungsstrategie
00:12:38: jetzt erstmals gegeben.
00:12:39: Ich habe mit den Kuratorinnen
00:12:40: und Kuratoren zusammengearbeitet,
00:12:43: denn was man nicht möchte,
00:12:45: ist, dass wir uns etwas aufbürden
00:12:49: für die Zukunft,
00:12:50: was wir dann nicht irgendwie
00:12:52: entsprechend unserer Vorgaben
00:12:54: versorgen können.
00:12:56: Wir müssen es lagern,
00:12:57: wir müssen eben sehen,
00:12:59: wie die Werke beforscht werden
00:13:00: und wir müssen natürlich auch
00:13:02: einfach die Werke auch mal ausstellen
00:13:05: und all das zusammen
00:13:06: sind schon mal so grundsätzliche
00:13:08: Fragestellungen, die wir da hatten.
00:13:10: Bedenken denn die Künstlerinnen
00:13:11: und Künstler,
00:13:12: was das für Kosten verursacht
00:13:14: unter Umständen,
00:13:15: wenn das so eine entweder
00:13:16: Dauerleihgabe oder Schenkung ist?
00:13:19: Ja, das wird häufig schon mit bedacht,
00:13:23: aber zu wenig, muss man sagen.
00:13:25: Und das kann ich aber auch verstehen,
00:13:26: weil ich als Künstlerin oder Künstler
00:13:28: würde dann natürlich auch denken,
00:13:30: ihr habt schon so viel,
00:13:31: dann kümmert ihr euch halt
00:13:32: auch um meine Kunstwerke.
00:13:34: Aber tatsächlich hatte ich noch
00:13:35: diese Woche ein sehr interessantes
00:13:38: Gespräch mit einem Sammler,
00:13:40: der sich an mich gewendet hat.
00:13:42: Der hat nur einen Künstler
00:13:43: sein ganzes Leben lang gesammelt
00:13:44: und dieser Künstler ist nun verstorben
00:13:46: und er hat mir dann gesagt,
00:13:47: er hat wirklich eine riesige Menge
00:13:49: an Zeichnungen und an Ölgemälden
00:13:52: und er würde das gerne alles
00:13:54: dem Museum schenken.
00:13:56: Aber, und jetzt kommt das Aber,
00:13:58: er hat eine ganze Reihe von Auflagen gemacht.
00:14:00: Er hatte eben bestimmte Ideen,
00:14:03: wie das dann permanent gezeigt werden sollte,
00:14:06: was mit den Werken genau geschehen soll,
00:14:09: wie die benannt sind.
00:14:10: Und das sind alles Dinge,
00:14:11: die wir im Vorfeld versuchen,
00:14:12: in Gesprächen abzuklären.
00:14:14: Denn wir versuchen natürlich Geschenke
00:14:17: dann anzunehmen,
00:14:18: wenn sie frei von großen Vorbedingungen sind,
00:14:21: die wir dann im Anschluss
00:14:22: gar nicht einhalten können.
00:14:24: Auch geschenkte Kunstwerke
00:14:25: verursachen Kosten.
00:14:27: Und welche Kosten entstehen,
00:14:28: wenn so ein geschenktes Werk
00:14:30: in die Sammlung der ALBERTINA kommt?
00:14:32: Als erstes möchte ich natürlich sagen,
00:14:34: dass wir uns wirklich freuen,
00:14:36: dass wir viele Geschenke bekommen.
00:14:38: Aber tatsächlich haben wir uns natürlich
00:14:40: auch im Vorfeld immer die Frage zu stellen,
00:14:43: was folgt denn aus so einem Geschenk?
00:14:45: Und da kommt es schon darauf an,
00:14:48: dass wir erstens etwas zur Sammlung nehmen,
00:14:50: was passgenau hierher gehört.
00:14:53: Und auf der anderen Seite,
00:14:55: wo wir abschätzen,
00:14:56: welcher Aufwand später besteht.
00:14:58: Und zwar einerseits aus der Materialität.
00:15:02: Wie ist das überhaupt aufzubewahren?
00:15:04: Das muss man im gleichen Maße vorhalten,
00:15:07: wie man solche Schenkungen annimmt
00:15:09: und auch natürlich den Depotplatz,
00:15:11: wo das untergebracht wird.
00:15:13: Und dann natürlich ist es etwas anderes,
00:15:15: wenn die Künstlerinnen und Künstler
00:15:17: so etwas bei sich im Studio irgendwie aufbewahren
00:15:20: oder jemand privat solche Kunstwerke hat,
00:15:23: die er auf den vielleicht nicht tauglichen Schachteln
00:15:27: und ihn unter dem Bett versteckt hält.
00:15:29: Bei uns ist natürlich alles fein säuberlich aufgearbeitet
00:15:33: und wird in säurefreie Kartons gegeben,
00:15:36: wenn es zum Beispiel sich um Papier handelt.
00:15:38: Wir schauen, dass zum Beispiel Werke,
00:15:41: die aus organischem Material bestehen,
00:15:44: zunächst einmal befreit werden
00:15:46: von irgendwelchen Parasiten und sowas,
00:15:49: was auch ins Haus kommen könnte
00:15:50: und dann die Sammlung schädigen würde.
00:15:52: Das heißt, da sind viele, viele Überlegungen
00:15:54: an so eine Schenkung gebunden.
00:15:56: Aber der eigentliche Kern,
00:15:58: und da muss man immer wieder zurückkommen,
00:16:00: ist das Interesse an dem jeweiligen Kunstwerk.
00:16:03: Und falls wir etwas dann mal ablehnen,
00:16:06: dann geht es ganz selten darum,
00:16:07: dass wir sagen, die Qualität stimmt nicht
00:16:09: oder das ist nicht gute Kunst,
00:16:11: sondern es muss zu uns als Sammlung passen
00:16:14: und einen bestimmten Zweck erfüllen.
00:16:16: Und da haben wir uns eben verschiedene Kriterien gegeben,
00:16:19: die das auch für die vielen Kuratorinnen und Kuratoren,
00:16:21: die ja ausschwärmen
00:16:22: und erfolgreich nach so etwas suchen,
00:16:25: auch an die Hand gibt,
00:16:26: damit man nicht jedes Mal wieder neu überlegen muss,
00:16:28: passt das oder passt das nicht.
00:16:30: Wie sieht deine Sammlungsstrategie
00:16:32: für die nächsten Jahre aus?
00:16:33: Zunächst einmal muss man sagen,
00:16:36: dass sich Museen ja völlig überhoben haben.
00:16:38: Wenn wir an die Gründungsgeschichte hier denken,
00:16:41: da hat man am Anfang gedacht,
00:16:42: wir sammeln einfach alles,
00:16:44: was auf Papier ist damals.
00:16:45: Das war die Idee,
00:16:46: eine grafische Sammlung aufzubauen
00:16:48: mit einer enzyklopädischen Vollständigkeit.
00:16:51: Nun wissen wir, dass das damals schon eine Illusion war,
00:16:54: aber heute ist das komplett unmöglich.
00:16:55: Also wir können nicht alles sammeln.
00:16:57: Wir können auch nicht in allen Kontinenten
00:16:59: und alle Künstlerinnen und Künstler gleichzeitig sammeln.
00:17:03: Was aber für uns schon wichtig ist,
00:17:05: dass wir aktiv sammeln,
00:17:08: dass wir in die Zukunft schauen
00:17:10: und dass wir eben immer auch zeitgenössisch bleiben.
00:17:13: Das waren wir von Anfang an,
00:17:15: damit eben die Relevanz
00:17:16: und die Gegenwartsanbindung nie verloren geht.
00:17:19: Also das sind schon ganz wichtige,
00:17:21: Kriterien.
00:17:23: Dann geht es auch darum,
00:17:25: dass wir haben einfach den Dialog mit der Sammlung.
00:17:28: Was haben wir denn jetzt schon
00:17:29: und wo kann man die Sammlung erweitern?
00:17:31: Also man wird natürlich nicht Nein sagen,
00:17:34: wenn wir zu der größten Sammlung an Dürer-Zeichnungen
00:17:36: noch eine hinzufügen könnten,
00:17:38: wenn der Markt das hergibt.
00:17:40: Oder aber,
00:17:41: wenn wir jetzt auf unsere Sammlung schauen
00:17:42: und das machen wir ja heuer besonders intensiv
00:17:45: und wir merken,
00:17:46: aha,
00:17:47: wir haben also,
00:17:48: wenn wir in die Sammlung schauen,
00:17:50: haben wir über 5000 Werke,
00:17:52: die auch von Künstlerinnen geschaffen wurden,
00:17:53: die heute aber gar nicht mehr so bekannt sind,
00:17:55: dann ist das gleichzeitig ein Auftrag.
00:17:57: Alles,
00:17:57: was wir von diesen Künstlerinnen,
00:17:59: die wir jetzt entdecken,
00:18:00: noch am Markt finden
00:18:01: oder was uns zugetragen wird,
00:18:03: nehmen wir natürlich sehr gerne,
00:18:04: weil wir dort unseren Schwerpunkt ausbauen wollen
00:18:07: beziehungsweise Lücken aus der Vergangenheit schließen wollen.
00:18:11: Und dann gibt es natürlich so viele Fragen,
00:18:14: die man mit Fachbegriffen wie Polyvalenz
00:18:16: oder eben diesen wissenschaftlichen Mehrwert beschreiben könnte.
00:18:21: Da geht es darum,
00:18:22: um die Einsatzmöglichkeit auch.
00:18:24: Wird so ein Werk auch jemals ausgestellt?
00:18:26: Weil manche Sachen sind auch so im Erhaltungszustand
00:18:29: oder in dem, was es darstellt,
00:18:32: so randständig,
00:18:33: dass wir denken,
00:18:34: in den nächsten zehn Jahren wird es nicht ausgestellt
00:18:37: und ist es dann relevant für uns?
00:18:39: Wir müssen ja auch diese verschiedenen Elemente,
00:18:41: die so ein Museum vereint,
00:18:43: nämlich sammeln, bewahren,
00:18:44: aber auch ausstellen, kontextualisieren,
00:18:47: darüber sprechen, vereinen.
00:18:48: Und deshalb siehst du schon,
00:18:50: ich könnte jetzt eine Stunde über diese Kriterien reden,
00:18:52: das ist noch eine ganze Reihe mehr von solchen Punkten.
00:18:56: Aber an allererster Stelle
00:18:58: steht immer die künstlerische Qualität, die wir wollen.
00:19:01: Mich würde noch was anderes interessieren,
00:19:03: weil mich interessiert ja auch sozusagen
00:19:04: das Profil des Schenkenden oder der Schenkenden.
00:19:08: Gibt es eigentlich auch Leute,
00:19:10: die große, wertvolle Werke schenken
00:19:14: und anonym bleiben wollen?
00:19:16: Sehr viele sogar.
00:19:17: Also das ist gar nicht so selten,
00:19:18: dass wir Schenkungen bekommen von Menschen,
00:19:22: die zum Beispiel aus einer Familie stammen,
00:19:25: die immer Kunst gesammelt hat
00:19:27: und die dann entweder ihre Kunstsammlung abstoßen
00:19:31: und dafür eine Heimat suchen
00:19:33: oder einzelne Werke auch an Museen übergeben,
00:19:38: weil sie in eine andere Richtung jetzt fortsammeln wollen.
00:19:41: Also Sammlungen sind ja nie so völlig abgeschlossene Gebilde,
00:19:45: sondern das entwickelt sich oft.
00:19:47: Und die größten Zuwächse auch in der Vergangenheit
00:19:50: gab es wirklich, wenn nicht Einzelwerke geschenkt wurden,
00:19:53: sondern ganze Sammlungen ans Haus gekommen sind.
00:19:56: Zum Beispiel die großartige Sammlung Essl,
00:19:59: die uns natürlich auch beschert hat,
00:20:01: dass wir so mit einem Schlag
00:20:02: in dieser Kunst des 20. Jahrhunderts
00:20:06: mit österreichischem Schwerpunkt ganz groß geworden sind,
00:20:10: weil da viele tausend Werke zu uns gekommen sind,
00:20:12: Malerei, Skulptur,
00:20:14: die eben diese Sammlung,
00:20:15: du hast es gerade schon angesprochen,
00:20:17: Grafik einfach so erweitert hat.
00:20:20: Warum ist es eigentlich einfacher für euch,
00:20:24: zeitgenössische Schenkungen zu erhalten
00:20:26: als vielleicht ältere oder historischer?
00:20:30: Welche Gefahren schlummern denn bei älteren Werken?
00:20:33: Ja, das ist eine sehr gute Frage,
00:20:35: denn tatsächlich sind da zwei große Faktoren,
00:20:38: die mitspielen.
00:20:39: Das eine ist,
00:20:41: dass bei älteren Kunstwerken
00:20:43: oft eine lange Geschichte mit dem Werk verbunden ist,
00:20:47: wer diese Werke besessen hat.
00:20:49: Und wir kennen das heute alle.
00:20:51: Wir sind nicht mehr nur verbunden
00:20:52: mit der Erscheinung eines Bildes,
00:20:53: sondern wir wollen die Geschichten dahinter wissen.
00:20:55: Wer hat das wann gehabt und warum?
00:20:58: Und da gab es natürlich auch Zeiten,
00:21:00: die wir in der Provenienzforschung heute beleuchten,
00:21:03: wo auch mit diesen Werken eben Unrecht verbunden ist,
00:21:06: wo Dinge entzogen wurden.
00:21:08: Ich spreche jetzt hier gerade von zum Beispiel Nationalsozialismus,
00:21:11: wo Dinge geraubt wurden.
00:21:13: Oder abgepresst.
00:21:13: Wo die einfach unrechtmäßig den Besitzer gewechselt haben.
00:21:18: Und wir sind ja als öffentliches Haus auch dazu verpflichtet,
00:21:23: Werke zu erforschen.
00:21:24: Das heißt, wir können so eine Schenkung nicht einfach blauäugig annehmen
00:21:27: und sagen, das wussten wir alles nicht,
00:21:29: sondern wir müssen es im Idealfall schon vorher alles wissen und recherchieren.
00:21:33: Das heißt, das ist sehr aufwendig bei älteren Objekten.
00:21:36: Da versuchen wir natürlich immer,
00:21:38: wenn das Werke sind vor 1945, 1945 meine ich hier,
00:21:43: dann gilt gleichzeitig sozusagen,
00:21:45: wir müssen das entsprechend dieser Regeln dann auch bewerten.
00:21:49: Und das andere, was auch wichtig ist,
00:21:52: natürlich sind viele ältere Kunstwerke heute in Privatbesitz.
00:21:59: Aber es gibt natürlich die Künstlerinnen und Künstler nicht mehr in diesem Gefüge.
00:22:04: Heute haben wir natürlich viele zeitgenössische Werke
00:22:07: auch von Künstlerinnen und Künstlern als Schenkung hier erhalten.
00:22:12: Teilweise ist es so, dass sie uns wie Sean Scully sozusagen aus einer Perspektive,
00:22:17: der auf eine lange Karriere zurückblickt, uns etwas schenken.
00:22:20: Wir haben aber auch Künstlerinnen,
00:22:23: die wir jetzt eher einer jüngeren Generation zuordnen würden
00:22:26: und wo wir auch als Museum denen natürlich nicht ihren Lohn gerechterweise
00:22:31: für ihr Werk abspenstig machen wollen,
00:22:33: sondern wir sprechen die zum Beispiel direkt an.
00:22:36: Wir denken, wir machen eine Ausstellung.
00:22:38: Zum Beispiel haben wir ein Projekt mit Conny Maier,
00:22:41: einer deutschen Künstlerin, die wir hier im Haus ganz großartig finden.
00:22:46: Und wir gehen dann natürlich in das Gespräch auch mit Galeristen.
00:22:52: Und da ist es oft so, dass wir dann ganz gezielt um Schenkungen bitten.
00:22:57: Da finden wir Leute, die uns quasi das Werk kaufen,
00:23:00: um diese Künstlerinnen auch bekannter zu machen.
00:23:03: Und das sind oft Kunstenthusiasten, die einfach sagen,
00:23:07: bei dieser großartigen Sammlung, da sollte doch auch so eine Künstlerin dabei sein.
00:23:11: Also quasi eine gesponserte Schenkung, habe ich das richtig verstanden?
00:23:14: Ja, genau, so könnte man das nennen.
00:23:16: Es sind eben ganz gezielte Erwerbungen,
00:23:19: die wir uns eigentlich in der Fülle, wie wir es realisieren,
00:23:22: finanziell gar nicht leisten könnten.
00:23:25: Aber zum Glück gibt es viele Freunde des Hauses,
00:23:27: die sich bereit erklären,
00:23:30: uns dann auch ganz gezielt so ein Werk zu schenken.
00:23:34: Also ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einem Herrn,
00:23:37: der aus einem Familienunternehmen kommt und gesagt hat,
00:23:39: ich würde wahnsinnig gerne die ALBERTINA unterstützen.
00:23:43: Ich hätte da an eine bestimmte Summe gedacht.
00:23:45: Und was würden Sie, wenn ich das jetzt Ihnen gebe, damit machen?
00:23:49: Und da habe ich spontan gesagt ...
00:23:51: Solche Freunde hätte ich übrigens auch gerne.
00:23:53: Ja, die erwirbt man sich über 250 Jahre sehr intensiver Arbeit
00:23:58: und einem Programm, was Freude macht,
00:24:01: dann kriegt man natürlich auch viel von dieser ...
00:24:04: Was hast du ihm geantwortet?
00:24:06: Dass wir einen konkreten Ankaufswunsch haben
00:24:09: und er war gleich damit einverstanden,
00:24:11: weil es um eine Künstlerin ging, die ihm auch gefiel,
00:24:14: und dann hat er gesagt, ich gebe Ihnen das Geld
00:24:15: und so ist es oft so, dass es auch nicht jetzt ...
00:24:18: Es sind jetzt auch nicht immer die riesigen Summen,
00:24:21: sondern es stückelt sich manchmal auch zusammen,
00:24:23: dass man einfach sagt, mit einem bestimmten Zweck
00:24:25: zu einem Ankauf und zu einem Erwerb wird das geschenkt
00:24:28: und daher ist ja auch das Werk dann am Ende geschenkt.
00:24:31: So muss man sich das vorstellen.
00:24:32: Also es hat so ein bisschen eine vermittelte Schenkung,
00:24:35: könnte man sagen.
00:24:36: Auf der Wunschliste der Schenkungen
00:24:40: oder gesponserten Schenkungen stehen immer öfter Frauen.
00:24:45: Jetzt hast du schon Conny Maier erwähnt.
00:24:48: Wir sehen aber sowohl in der Ausstellung
00:24:50: als auch irgendwie in der Zukunft,
00:24:51: dass auch Künstlerinnen vermehrt
00:24:53: in diese Sammlung Eingang finden.
00:24:55: Welche sind das?
00:24:56: Das ist tatsächlich programmatisch für uns
00:24:58: und ist auch Teil der Sammlungsstrategie,
00:25:00: dass wir uns diversifizieren wollen
00:25:02: und dass wir neben diesen großartigen männlichen Künstlern,
00:25:06: die wir in der Sammlung haben,
00:25:08: diesen weiblichen Anteil stärken wollen.
00:25:11: Und wir hatten jetzt zum Beispiel
00:25:12: die Ausstellung Faszination Papier
00:25:15: und haben ja ganz spezifisch auf die Sammlung geblickt
00:25:18: und Gegenstücke zu historischen Werken gesucht.
00:25:22: Und bei dem Thema Reißen, Schneiden von Papier
00:25:25: sind wir auf eine Künstlerin gekommen.
00:25:27: Da habe ich mal eine Ausstellung
00:25:28: zum Beispiel in Mannheim sehen können.
00:25:31: Das ist die Angela Glajcar.
00:25:34: Und jetzt haben wir die tatsächlich in der Ausstellung
00:25:37: und das war auch so ein Konstrukt.
00:25:39: Wir haben uns eigentlich sehnlichst gewünscht,
00:25:41: dass wir sie in die Sammlung bekommen.
00:25:44: Denn die Ausstellung hat sich ja nur aus Werken
00:25:47: der ALBERTINA gespeist und keine Leihgaben.
00:25:50: Und tatsächlich war es dann so,
00:25:52: dass wir dort eben mit der
00:25:54: Sasa Hanten-Schmidt eine Förderin gefunden haben,
00:25:57: die uns das ermöglicht hat.
00:25:59: Also wir haben dann diese Schenkung gerne entgegengenommen,
00:26:03: weil sie passgenau in unser Profil reingepasst hat,
00:26:06: weil die Künstlerin in der Sammlung noch nicht vertreten ist
00:26:10: und weil dieses Werk einfach großartig auch dann in dieser Schau
00:26:14: einen Auftritt hatte.
00:26:15: In der Ausstellung Faszination Papier haben wir nicht nur neue Werke von Angela Glajcar,
00:26:22: sondern auch etwa von Greta Schödl.
00:26:26: Das ist vielleicht schon eine andere Generation von Künstlerinnen,
00:26:29: aber auch da haben wir vier tolle Schenkungen,
00:26:32: die wir gleich in der Ausstellung präsentieren konnten.
00:26:34: Da sieht man auch immer, dass Schenken und Zeigen oft zusammengehen.
00:26:40: Und das ist natürlich auch das,
00:26:42: warum wir jetzt in diesem Jahr in Klosterneuburg
00:26:46: tatsächlich einmal die Schenkungen präsentieren wollen.
00:26:48: Vieles, was auch überhaupt noch nicht zu sehen war
00:26:51: und noch nie in einer Ausstellung Platz gefunden hat.
00:26:54: Wie gesagt, wir widmen ja eine ganze Ausstellung
00:26:57: nur den Werken, die wir in den letzten ein, zwei Jahren
00:27:02: überhaupt ans Haus bekommen haben.
00:27:04: Damit ist das ganze Haus in Klosterneuburg gefüllt über das Jahr.
00:27:08: Das ist das Jahresthema.
00:27:10: Wie wird eben geschenkt?
00:27:12: Und wenn ich hier so durch die Ausstellungshallen in Klosterneuburg gehe,
00:27:15: beglückt mich das unheimlich,
00:27:17: was wir wirklich hier an Schenkungen in jüngster Zeit allein bekommen haben.
00:27:22: Und es ist deshalb auch eine große Freude,
00:27:25: weil ich schon sehe, dass dieser Wunsch,
00:27:27: die Sammlung auch weiblicher zu gestalten und in die Zukunft zu führen,
00:27:32: hier schon Ansätze hat.
00:27:34: Also wenn ich beispielsweise hier vor Julie Mehretu oder auch der gerade genannten Conny Maier stehe,
00:27:41: dann wissen wir schon, wie wir uns weiterentwickeln wollen.
00:27:44: Wenn wir gerade gehört haben, was alles an Gedanken mit so einer Schenkung verknüpft wird,
00:27:49: dann klingt es vielleicht ein bisschen zu negativ.
00:27:52: Wir haben eigentlich natürlich weiterhin das große Verlangen, die Sammlung zu entwickeln.
00:27:57: Und da sind Schenkungen ein ganz wichtiger Teil darin.
00:28:00: Und wir freuen uns wahnsinnig, dass wir so viel Aufmerksamkeit bekommen und auch so viele Zuwendungen.
00:28:07: Und es ist eine große Freude, mit diesen Geschenken auch produktiv umzugehen
00:28:11: und daraus die Sammlung der Zukunft zu formen.
00:28:13: Und wir wollen das Ganze dann auch abrunden mit einem Fest für die Künstlerinnen und Künstler.
00:28:19: Denn die sind natürlich unser Motor und der eigentliche Grund, warum wir sammeln.
00:28:24: Und die, die auch eben uns inspirieren für das weitere Sammeln für die Zukunft.
00:28:30: Ein Haus voller Geschenke, könnte man sagen.
00:28:33: Was steht denn auf der Wunschliste für 2027?
00:28:37: Für die Zukunft wünsche ich mir natürlich noch weitere Zugänge von weiblichen Künstlerinnen.
00:28:43: Ich denke, das ist nicht nur für 2027, sondern für die kommenden Jahre unsere große Aufgabe.
00:28:49: Das heißt nicht, falls Sie jetzt zuhören und uns ein Monet schenken wollen,
00:28:53: dass wir das ablehnen würden.
00:28:55: Aber man kann sagen, gerade im Zeitgenössischen sind wir auch bemüht,
00:28:59: immer die Künstlerinnen mit im Blick zu haben.
00:29:02: Und das gilt natürlich auch retrospektiv, wenn wir die Neuentdeckungen machen aus dem 19. Jahrhundert und davor.
00:29:08: Da merkt man gerade, da wird es dann wirklich umso schwieriger
00:29:11: und umso lieber nehmen wir da Geschenke an.
00:29:16: Wie sagt die ALBERTINA Danke?
00:29:19: Mit tausend Ausstellungen.
00:29:21: Danke für diese Einblicke in die lange Tradition der Geschenke bei euch an der ALBERTINA.
00:29:26: Ja, und euch danken wir fürs Zuhören.
00:29:29: Wenn euch dieses Gespräch gefallen hat,
00:29:30: dann folgt unserem Podcast Lange Ohren gerne überall, wo es Podcasts gibt.
00:29:36: Informationen zu den aktuellen Ausstellungen der ALBERTINA
00:29:39: findet ihr unter albertina.at und auf Instagram.
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