Von Venedig nach Wien
Shownotes
In dieser Folge von Lange Ohren führt die Reise nach Venedig – an den Ort, an dem die Geschichte der ALBERTINA ihren Anfang nimmt. Am 4. Juli 1776 übergab Giacomo Durazzo Herzog Albert von Sachsen-Teschen und Marie Christine Tausende Druckgrafiken. Aus dieser Begegnung entstand der Anspruch, Kunst nicht nur zu besitzen, sondern systematisch zu sammeln und in größeren Zusammenhängen sichtbar zu machen.
Ausgehend von diesem Gründungsmoment sprechen Clarissa Stadler und Ralph Gleis über die Lagunenstadt als Bühne der Kunst: über Canaletto und jene Ansichten, die im 18. Jahrhundert zum europäischen Sehnsuchtsbild wurden, über Paul Signacs Die rosa Wolke und den modernen Blick auf Licht, Wasser und Melancholie. Von der Grand Tour führt der Bogen weiter zur Gründung der Venedig Biennale im Jahr 1895 und zu Gustav Klimts Ausstellung von 1910.
Am Ende steht die Gegenwart: Die von der verstorbenen Kuratorin Koyo Kouohs kuratierte Ausstellung In Minor Keys, der von Florentina Holzinger kuratierte österreichische Pavillon, gegenwärtige politische Spannungen und die letzten Werke von Georg Baselitz auf San Giorgio. So verbindet die Folge den Ursprung der Sammlung ALBERTINA mit einer Stadt, in der Kunstgeschichte bis heute nicht stillsteht.
Mehr erfahren? 2026 begeht die ALBERTINA ihr 250-jähriges Jubiläum und blickt mit einem Programm auf die Geschichte ihrer Sammlung und in die Zukunft des Hauses.
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00:00:00: Wenig war natürlich auch einfach durch diese Zeitumstände eine der interessantesten Städte schon damals.
00:00:08: Also wenn wir heute hinfahren, hat das so ein bisschen was von... Niedergang und Zukunft, aber damals war es sicherlich eine blühende Stadt.
00:00:15: Und da kam er zusammen und da waren auch die ganzen Künstler.
00:00:18: Sagt Ralf Gleis mit dem ich mich auf einer neuen Zeitreise durch die Albertina begeben
00:00:23: habe.
00:00:24: und
00:00:24: diese Reise beginnt dort wo auch die Geschichte der Sammlung ihren Ursprung nimmt nämlich in Venedig!
00:00:35: Ja Ralf du warst vor wenigen Wochen in Vendedig und zwar zur Eröffnung der Bienale.
00:00:39: wenn Du jetzt die Augen schließt und nochmal an die Lagune denkst welche Bilder hast Du da im Kopf?
00:00:45: Für mich ist ja Venedig immer so ein Zusammentreffen von dieser großartigen Geschichte, von einfach diesem unglaublichen Flair einer Stadt im und am Wasser.
00:00:59: Diese ganzen Paläste das macht natürlich etwas mit einem wenn man da nach Venedigt kommt.
00:01:05: und dann aber auch die Begegnung mit zeitgenössischer Kunst.
00:01:08: Ich finde, diese Spannung ist immer sowas ganz Typisches für Venedig und ich freue mich da immer sehr drauf.
00:01:14: Venedigs spielt für die Sammlung der Albertina ja eine zentrale historische Rolle.
00:01:18: Am vierten Juli, siebzehnhundertsechsundsiebzig ein Datum das ihr Heuer mit einem großen Fest anlässlich des zweihundertfünfzigsten Jubiläums der Albertiner feiert.
00:01:29: Da erhielten Herzog Albert von Sachsen-Teschen und seine Frau Marie-Christine, von Giacomo Dorazzo in Venedig ein Konvolut von rund zehntausend Druckgrafiken.
00:01:42: Jetzt möchte ich gerne von dir wissen wer war denn diese illustren Herrschaften?
00:01:46: Wenn man die Albertina kennt dann fragt man sich vielleicht wo kommt der Name her?
00:01:50: und der leitet sich ab von einer Gründerfigur, das war Jena Albert von Sachsen.
00:01:58: Der war in seinen Jugendjahren als Soldat ausgebildet und kam gelegentlich nach Wien.
00:02:05: Und dort trifft er auf Marie-Christine die Lieblingsdochter der Kaiserin.
00:02:11: Es gab dann tatsächlich, dass was selten gab eine Liebesheirat – und was sie beiden verbannt!
00:02:17: War auch die Liebe für die Künste sich mit Malerei, Grafik und auch Zeichnung befasst hat.
00:02:27: Und dann überlegten sie sich diese beiden.
00:02:31: Sie wollten... eine große Sammlung gründen.
00:02:34: Und da kommen wir jetzt also auch zu der dritten Person, die du angesprochen hast und das ist eben Jena Conte Giacomo Durazor eigentlich ein Genuiser, der in den Diensten des kaiserlichen Hofes für Österreich eingetreten war und in Venedig quasi residierte.
00:02:54: aber er war exzellenter Kunstkenner.
00:02:57: Und so fanden die drei irgendwann zusammen, das war siebzehntreihenseipzig ums genau zu sagen mit der Absicht eine große Sammlung zu
00:03:05: gründen.".
00:03:06: Ich kann mir den Konto ja so wahnsinnig gut vorstellen.
00:03:08: Es wird eine elegante Italiener, kunstsinnig sicher auch ein bisschen schicker als der Sachse und die Österreicherin.
00:03:16: Übrigens waren die ja Cousins und Cousines zweiten Grades.
00:03:20: aber es ist sich irgendwie ausgegangen wie wir so hier sagen.
00:03:23: Und wie gesagt offenbar hat Marie-Christine früher und viel ausführlicher schon Kunsterziehung genossen Und Albert, der eher so wie du schon erwähnt hast zu ihr militärischer Zogen war hat sich dann da gerne und vielleicht auch mit einem großen Gefühl da irgendwie reinfallen lassen.
00:03:40: Wahrscheinlich hat er den Kunst auch tatsächlich so begeistert.
00:03:44: Was wurde denen da jetzt übergeben?
00:03:47: Welche Rolle spielt das eigentlich in der späteren Sammlung die wir heute kennen?
00:03:52: Ja, das ist wirklich ein ganz spannender Moment.
00:03:54: man könnte natürlich sagen Wieso ist das die Gründung der Albertina?
00:03:59: Denn da sind ja nun zwei Adelige und man hat natürlich als Adelsfamilie ohnehin Kunst gesammelt, um sich auszustatten.
00:04:07: Also es gehörte zu jedem guten Haushalt dazu.
00:04:09: Man hatte also überhaupt schon Grafik gehabt.
00:04:12: Die beiden muss man sagen... ...die siebzenundsechzechszig geheiratet haben hatten verschiedene Posten als Stadthalter.
00:04:20: Und als erstes ging man als ungarische Stadtheiter ehepaar nach Pressburg heute Bratislava, das war die ungarische Königsstadt damals und hat dort auf dem Schloss gelebt.
00:04:32: Und hat dann schon angefangen Kunst zu sammeln
00:04:35: Auch, weil die Wände dort ganz leer waren und die Burg eher so ein bisschen noch troßlos beschrieben wird.
00:04:40: Und da wollten sich die beiden halt irgendwie wie man es ja heute auch machen würde sie einfach mal schön einrichten und eben auch mit entsprechender Kunst oder?
00:04:47: Ja genau!
00:04:48: Und auch die Vorstellung, wie man denn eben die Kunst an die Wand gibt.
00:04:52: Da hat man oft quasi in Medaillons die in die Wanddekoration eingelassen waren gearbeitet und Marie-Christine selbst hat die entworfen und hat also gezeichnet – oft auch nach vor.
00:05:04: die sie sich angeschaut hat hier in Wien, zum Beispiel der Hofbibliothek wo eben eine große Kupferstichsammlung war und hat sich inspiriert.
00:05:13: Und dann kam aber die Idee wenn wir schon Kunst haben man hatte also schon angefangen zu sammeln französische Kunst niederländer das war alles noch so ein bisschen eher zufällig.
00:05:25: Dann kommt man auf diesen Conte d'Orazio und er sagt als erstes ihr müsst es schon etwas systematischer angehen ja ist es wenn ihr das wollt Was wollt ihr genau von mir?
00:05:35: Was soll ich euch
00:05:36: bringen?".
00:05:37: Und das war also dreiundsiebzig.
00:05:39: Das muss man sich jetzt mal vorstellen... Also
00:05:41: der erste Kurator, die Sammlung Albertina kann man sagen!
00:05:45: Ja, und auch der, der noch mehr darüber hinaus.
00:05:48: Der hat also nicht nur diese Zehntausend, also unglaubliche Anzahl von Werken italienischer und deutscher Meistern – das war dann sozusagen sein Auftrag im Gegensatz zu den dort schon angesiedelten französischen und niederländischen Künstlern – die hat er dann gebracht aber diese Rakolta di Stampe, also diese Sammlung von Hauptwerken von Künstleren, die hat sozusagen erweitert, dass er gleich einen Discorso preliminare eine Erläuterung des Sammlungskonzeptes beigegeben hat.
00:06:22: Da hat er gleich gesagt, also wir sammeln nach Schulen.
00:06:25: Man muss eine Vollständigkeit anstreben man muss auch sehen was wir alles vielleicht an besten Beispielen haben aus der Malerei.
00:06:34: und so ist ja wirklich auf einen unglaublichen Beutezug gegangen in Italien.
00:06:39: Und es hieß schon damals auch in bestimmten Überlieferungen Der Durazo war schon da am Kunstmarkt nichts mehr zu haben Weil er also wirklich mit diesem Geld ausgestattet, was die Marie-Christine hatte.
00:06:50: Dann alles gekauft hat!
00:06:52: Und Marie-Christine und Albert machten so eine Grand Tour durch Italien.
00:06:57: Man besuchte natürlich auch die Verwandtschaft in verschiedenen Städten... Ja, sie waren
00:07:01: ja da unterwegs irgendwie!
00:07:03: Ich habe gehört am Mainland, Parma, Rom, Neapel, Florentz und dann erst eigentlich ganz am Ende Venedig und sie wollten ja eigentlich ... das ist nicht so eine große Glocke gehängt wird.
00:07:13: aber auch damals obwohl es noch kein Internet gab, war Diskretion und undercover kaum möglich.
00:07:18: also wenn solche erlauchten Personen unterwegs, dann blieb das kein Geheimnis.
00:07:24: Als sie dann in Venedig eingetroffen sind, kam es eben zu dieser Übergabe und Venedic spielt dann eben in den folgenden Jahren auch für die Sammlung eine sehr große Rolle.
00:07:34: Vielleicht kannst du mal erzählen... wie sich medizinische Motive oder eben auch medizinischen Kunst dann in dieser Sammlung niedergeschlagen haben.
00:07:42: Ich stelle
00:07:42: mir das immer so wirklich faszinierend vor.
00:07:45: und wir haben ja eigentlich, weil damals war die Sprache Italienisch später wird Französisch sozusagen die Sammlungssprache Und wir haben Aufzeichnungen und es ist eigentlich ein Übersetzungsfehler der anfangs hier immer wiederholt wurde.
00:07:58: man hat immer gesagt Damals wurden tausend Werke übergeben In Wahrheit steht aber Tausende und wir konnten nachweisen, die haben sich das natürlich kurz einmal angeschaut.
00:08:08: Und das war so am vierten, fünften, sechsten Juli.
00:08:13: da hat man nämlich die Kräfe in Durazo, die hatte ein Casino direkt am Markusplatz.
00:08:19: Da hat man so Kisten aufgestellt gehabt und aus denen die Blätter schon mal gesichtet und die wurden dann nach Pressburg gebracht und es waren aber überliefert Sechzig solcher Kisten und wenn man das hochrechnet, wieviel in einer Kiste war, kommt man eben auf diese unglaubliche Zahl von über zehntausend Werten.
00:08:35: Es war ja italienische Kunst wirklich von der Renaissance was sie als Anbeginn gesehen haben bis in die damalige Gegenwart, also bis ins achtzente Jahrhundert.
00:08:45: Und darunter waren schon auch so Berühmtheiten wie zum Beispiel Canaletto der ja für die Stadt Venedig als Maler, als Zeichner, als Vorlagengeber schon eine besondere Bedeutung hat und diese Werke kam mit und daher hat auch heute.
00:09:02: natürlich könnte man wenn man in die Sammlung schaut viele hundert Werke finden die allein mit Venedigh verbunden sind.
00:09:08: das war natürlich auch einfach durch diese Zeitumstände, eine der interessantesten Städte schon damals.
00:09:16: Also wenn wir heute hinfahren hat das natürlich so ein bisschen was von Niedergang und Zukunft.
00:09:21: aber damals war es sicherlich eine blühende Stadt und da kam er zusammen und da waren auch die ganzen Künstler.
00:09:26: Canaletto
00:09:27: war natürlich damals schon ein Star und man könnte eigentlich auch sagen sozusagen die Durchlauchten und der Künstlern haben sich um ungefähr acht Jahre verpasst weil solange eben hatte er schon nicht mehr gelebt als sie dann irgendwie nach Venedig kamen.
00:09:41: Warum war Canaletto schon zu seiner Zeit so berühmt?
00:09:45: Nun, Canaletto hat glaube ich etwas geschafft was viele damals einfach gewollt haben.
00:09:53: Nämlich diese Stimmung die Atmosphäre aber auch die Grandetzer von Venedig einzufangen.
00:09:59: das hat man sich gerne mit nach Hause genommen.
00:10:02: Das ist ja vorstellen dass eben Für jeden Adeligen, aber auch später für viele Gebildete war ja die Grand Tour des Italienerlebnis obligatorisch.
00:10:10: Das hat man immer gemacht und natürlich kam er nach wenig.
00:10:13: Das war ein Höhepunkt dieser Reise und dadurch war Canaletto der eben in seinen Werken diese ganze Lagunenstatt so zauberhaft einfangen konnte, aber schon in Zeichnung.
00:10:25: druckgrafisch auch dann vervielfältigt.
00:10:28: Das war ein wirklich Mensch in aller Munde und das sagt ja auch schon dieser Beinahme-Kanaletto, was schon so auf diese Kanäle... Ich meine heißt natürlich Giovanni Antonio Kanal aber es passt natürlich auch zu dieser Lagumenstadt und hat natürlich auch so etwas, was direkt Assoziationen weckt.
00:10:46: Also ich kenne ja von Canaletto eher so die sehr großartigen Ölgemälde, wo er einerseits dieses medizinische Licht aber eben in einer sehr milden Art wie ich finde festhält.
00:10:58: Aber... In der Sammlung de Albertina finden sich natürlich eher die grafischen Arbeiten und für sie gab es ja offensichtlich eine riesige Nachfrage, oder?
00:11:06: Ja da sprichst du zwei wirklich spannende Aspekte an.
00:11:09: Das eine ist natürlich Kanaletto konnte sich vor Aufträgen kaum retten und dann hat man auch sich damit behäufen – Leute, die sich vielleicht kein direktes Werk leisten konnten -, dass druckgrafische Reproduktion sich nach Hause genommen hat.
00:11:25: Für die Albertina ist es so, dass sie ja zunächst einmal eine Sammlung von Druckgrafiken war und Bestrebung war eigentlich, aber die gesamte Kunst darzustellen und die drückt sich am meisten im Malerei aus.
00:11:39: Und so waren das eigentlich Darstellungen von berühmten Werken in drographischen Reproduktionen, die man anfangs angelegt hatte.
00:11:46: Er später kommt die Zeichnung dazu – wir haben ja auch ein bezauberndes kleines Blatt von Canaletto, was er selber gezeichnet hat, eine untypische Szene ist eher von Canaleto wo man so in einer Seitengasse schaut, was eben gar nicht repräsentativ ist.
00:12:02: Wo man sieht dass der so geübt war das er uns jedem Winkel von Venedig vor Augen führen kann und auch technisch versiert war.
00:12:11: aber tatsächlich haben wir eher in dieser anfänglichen Sammlung es dann mit solchen Grafiken zu tun die nach Canaletto gestochen wurden und die eben zu seinem weltweiten Rom damals beigetragen haben.
00:12:26: Wenn ich mir Eure Sammlung anschaue, man kann ja übrigens online sich alles abrufen – man kann auch Venedik eingeben und bekommt dann sehr viele Ergebnisse – dann sieht man das Spektrum des Historisches sehr groß ist.
00:12:40: Und dieser kunsthistorische Bogen spannt sich von der Renaissance zum Beispiel Jacopo de Barbari über Canalettos Zeit bis dann auch in die Moderne, worüber wir dann eben auch gleich sprechen wollen.
00:12:56: Interessant ist halt dass diese venezianischen Künstler ja dann immer ausgeschwärmt sind und viele davon venedig verlassen haben und auch in Europa sehr bekannt waren.
00:13:05: also Jacopor de Barbare ging zb nach Deutschland Und Kanaletto hat ja zehn Jahre sogar in England gelebt.
00:13:11: Du hast dir vorher erklärt, er war sehr beliebt eben bei europäischen Auftraggebern.
00:13:16: Wollen wir vielleicht mal jetzt den Sprung sozusagen von Kanalettto in eine neuere Zeit
00:13:22: wagen
00:13:23: und auf eine Arbeit irgendwie zu sprechen kommen?
00:13:26: Ich bin Paul Sinjakti-Rosa Wolker die auch eine sehr typische Venedigarbeit ist!
00:13:31: Ja das ist sicherlich auch ein ikonisches Werk heute der Sammbadliner hier in der Albertina Und da hat man wirklich das Gefühl, dass dieses Werk von Neunzehnten neun noch mal aufnimmt.
00:13:46: Was auch in neunzehn Jahrhundert und Ende des neunzen Jahrhunders großes Thema war.
00:13:51: schon die Impressionisten, schon Claude Monet sind nach Venedig gereist um eben dieses Wechselspiel zwischen dem Wasser- und der Architektur den Booten darzustellen.
00:14:03: Titel Rosa Wolke bezieht sich ja darauf, dass man dort eine Ansicht hat wo man einen Venedig hintergrund hat im Vordergrund Schiffe und es ist einfach so dieses typische Lichtspiel.
00:14:17: Und das hat er in der typischen Form... Er war ein Pointillist also mit diesen kleinen Strichen bzw.
00:14:23: Punkten die sich farblich aneinander schließen und erst in der Entfernung ein Gesamtbild ergeben zusammengefügt.
00:14:30: und da passt sozusagen Sygie und Malweise so schön zusammen.
00:14:34: Und ich glaube, das ist zu Recht eines der Hauptwerke in dieser... Dauerausstellung von Monet bis Picasso ist.
00:14:43: Ich finde, Paul Sénac hat nicht übertrieben in diesem Bild denn wenn man den Ort kennt und wir kennen ihn wo dieses Bild entstanden ist er beschreibt ja da so eine Abendstimmung würde ich mal sagen vor der Isola San Giorgio Maggiore.
00:14:58: Und diese Abendstimmung ist also wirklich unnachahmlich
00:15:01: finde ich Das hast du gerade schon richtig genannt mit Blick auf die Sammlung dass sehr viele Künstlerinnen und Künstlern nach Venedig kamen.
00:15:09: das war im neuen Jahrhundert natürlich schon ein Top-Bus und mit dem Niedergang Venedics wurde das auch unterschiedlich gesehen.
00:15:16: Die einen Impressionisten haben darin eben dieses magische Licht, diese Verspieltheit zwischen Atmosphäre und Architektur gesehen.
00:15:26: Es gab aber auch natürlich Symbolisten.
00:15:28: die haben dort eher einfach... dieser Wehmut nachgespürt, die so eine Stadt im Verfall auch mit sich bringt.
00:15:35: in einer Modernisierung und in diesem ganzen Avangaden entwickelt sich etwas was wir in Wien nur zu genau kennen.
00:15:43: Nämlich der Sezessionismus.
00:15:45: das kommt eigentlich aus Belgien Brüssel-Levin, die zwanzig waren schon eighteenhundertdrehen achtzig dann wurden ja in München die Sezition gegründet, achtzehnundzwineinzig und erst sieben, neunzig, achten, neunsig.
00:15:57: dann diese Session in Wien.
00:15:59: Und was hat das jetzt mit Venedig zu tun?
00:16:01: Achtzehnfünmenneunzig gibt es tatsächlich die erste Bienale – und das kommt schon in diesem Kontext der Session nämlich einer Art Zusammenfügung aller avantatistischen Strömungen einer Zeit zustande.
00:16:16: und man hatte ja damals bei der Bienale die selbe Absicht wie heute.
00:16:20: Man wollte aus verschiedenen Ländern unterschiedliche Künstlern einen Podium bieten, vielleicht war es auch sehr clever weil die Stadt war ja im Niedergang und man dachte wenn man jetzt so ein großes Kunstfestival macht dann hat das vielleicht eine Resonanz.
00:16:32: und tatsächlich schon die erste Ausstellung hatte zweihunderttausend Besucher.
00:16:37: und in diesem Kontext war auch wichtig, dass eben diese Vorbilder durchgesehen wurden der Sitzession.
00:16:43: Man hat sich sehr auch umgeschaut und damals war ja Wien durchaus
00:16:47: führend
00:16:48: und kein geringerer als Klimt hatte eine große Präsenz dann auf der Bienale.
00:16:55: In den letzten Jahren gab es einen großen Saal im Hauptpavillon.
00:17:00: Damals gab's noch nur zum Teil Länder-Pavillons Und dort hat Klimt ausgestellt und wenn man sich das anschaut, dann ist es natürlich eine verblüffende Show.
00:17:09: Das ist einfach wirklich ein Bruch mit den damaligen Gewohnheiten von Ausstellungen die ja überall beladen waren und das kommt natürlich direkt aus diesem Wiener Sezessionismus.
00:17:20: und Klimt hat da wirklich große große Hauptwerke gezeigt zum Beispiel Adele Bloch Bauer Golden Adela, ja?
00:17:29: Oder drei Lebensalter.
00:17:32: Auch Ansichten vom Attersee die dann auf einmal in Venedig aussehen wie Venedich und die große Judith II oder Salomé.
00:17:41: Und das hat der Staat oder die Stadt damals angekauft, die Stadt Venedik.
00:17:46: Das ist heute im Capisaro zu sehen.
00:17:49: also da haben wir Klimt direkt verortet in Vinedi... Ja, das ist irgendwie eine Interessante Fügung.
00:17:56: Und während man Gustav Klimt in Österreich zur Jahrhundertwende noch eher in diesem manchmal ja auch etwas überdekorativen, ich möchte es nicht schwülstigen Umfeld irgendwie sieht hatte er im Ausland die Chance einmal so richtig klare Kante zu zeigen weil wenn man sich den Spaß macht und im Saal zehn googelt das ist dieser Raum den du angesprochen hast, den Gustaf Klimter im Hauptpavillon bei der Bienale gestaltet hat dann ist es so fast zu etwas wie der erste Widecube relativ klar und puristisch eingerichtet.
00:18:32: Ja, das ist wirklich ein Eindruck, der sich ergibt weil... Er da zusammengearbeitet hat mit dem Josef Wimmer.
00:18:40: Das war ein Hoffmann Schüler und das ist natürlich schon ganz im Sinne der Wiener Werkstätten, auch diese Sessel die du da siehst sind also mit so einem Korb geflecht und das macht dieses unheimlich moderne aus.
00:18:55: Wenn wir also die Bienale im Jahr tenhundertzehn anschauen... Wir waren jetzt gerade sozusagen im Hauptpavillon den es ja heute noch gibt Dann sieht man eine deutliche Entwicklung, dass die Bienale einerseits nicht nur die Erfindung der geschäftstüchtigen Venezianer war um schon sehr früh den Tourismus anzukurbeln.
00:19:19: Es wurde dann in diesen Jahren, sagen wir mal, Jahrzehnte und Jahrzehnzehnten immer mehr zu einer Schau der Nationen.
00:19:26: Und diese nationale Gedanke nahmen einfach zu was sich darin äußert dass der Reihe nach einzelnen Länderpavillons entstanden sind die es ja eben heute auch noch gibt.
00:19:36: Machen wir also vielleicht den Sprung jetzt aus der Zeit um ca.
00:19:40: nineteen Hundert in die Gegenwart.
00:19:43: Die Eröffnung der Bienale legt ein paar Wochen zurück und dieses Jahr war ja eigentlich das Motto in meiner Keys ausgegeben von der vor der Eröffnung verstorbenen afrikanischen Choratorin Koyokuho.
00:19:57: Das hätte ja eigentlich eher sanfte Töne vermuten lassen, aber ich möchte dich da mit diesem Nationalgedank auch schon ein bisschen in die Gegenwart locken.
00:20:08: Es war nicht so leise wie es vielleicht angedacht war oder?
00:20:12: Ja, da hast du vollkommen recht.
00:20:13: Ich denke dieser Nationalgedanke der so vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem aufgekommen ist und wo man eben gesehen hat das eigentlich diese Ursprungsgedannte so eine Art Kunst-Olympiade wo eben verschiedene Nationen sich treffen, wo Künstler sich präsentieren können Das hat sich dann schon natürlich auch in diesen Zeitraum irgendwie zugespitzt.
00:20:38: Und heute sind wir wieder vielleicht komischerweise in einer Situation, wo dieses Nationale zum Teil wieder zu einem Thema geworden ist.
00:20:48: Ich hatte die vergangenen Jahre das gar nicht mehr so wahrgenommen aber Heuer ist tatsächlich.
00:20:52: wiederum gab es viele Diskurse um diese Teilnahmen verschiedener Nationen.
00:20:59: Es gab natürlich auch Streit im Vorfeld Jury der Bienale zerlegt quasi.
00:21:09: Also das ist schon bemerkenswert, was sich da getan hat und in all dem fand ich es aber dann doch interessant, was man gesehen hatte und was die interessantesten Beiträge waren – ich weiß nicht, was Diehl so in Erinnerung geblieben ist, aber vor allem fand ich natürlich den Beitrag von Florentina Holzinger für den österreichischen Parion wirklich herausragend.
00:21:31: und wo du von Tönen und Klängen sprichst.
00:21:34: Das war natürlich auch der bewusste Appell- und der Glockenschlag, wo sie also als menschlicher Klöppel in einer Glocke eben geschwungen ist.
00:21:47: Übrigens eine Darstellung die wir schon bei Hieronymus Bosch finde und ihre Arbeit und das finde ich eigentlich schön indem was Du gerade so zusammenfassend gesagt hast minor keys, das melancholische aber auch diese Zusammenkunft von zukünftigen und vergangenen.
00:22:05: in ihrer Arbeit mischt sich das aus meiner Sicht sehr gut.
00:22:08: Es geht um quasi eine Stadt im Niedergang eben durch den Klimawandel und steigende Pegel.
00:22:15: es geht aber auch um uns alle wie wir uns verhalten.
00:22:19: Das geht ja da um eine Arbeit die eben genau anregt hinzuschauen, was ist denn sozusagen unser eigenes Verhalten?
00:22:27: Wie ist der Wasserhaushalt einer solchen Stadt und das in der durchaus drastischen Weise wie Florentina Holzinger das immer in ihrer theatralen Inszenierung einfach darbietet.
00:22:40: Es war mit Sicherheit eine der interessantesten Bienalen vor allem Mit dem Blick auf das, was sich sozusagen im Vorfeld und auch irgendwie an politische Diskussionen ereignet hat.
00:22:53: Überall der politischen Aufgeregtheit lag aber auch eine große Wehmut denn es viel zeitlich dieses Jahr zusammen der Tod und der doch unerwartet kam von Georg Baselitz mit der letzten Schau seiner Werke auf der Isola San Giorgio.
00:23:14: Das sind wir jetzt wieder an diesem sehr speziellen Ort, der Venedigso eine besondere Not da finde ich gibt.
00:23:21: Ja war vielleicht ein bisschen auch ein wehmütiges Gut Bayern diesen sehr großen Künstler, der ja auch in der Sammlung der Albertina eine Rolle spielt und hier Ausstellungen hatte.
00:23:32: aber es war auch schön diese letzten Werke sozusagen im Rahmen einer Bienale irgendwie erleben zu können.
00:23:39: Für mich war es auch so, dass man in der Bienale natürlich immer neben den Jardini und dem Arsenal große Entdeckungstouren machen konnte.
00:23:49: Der große Baselitz, der ja in unserer Sammlung fortlebt, den hattest du erwähnt.
00:23:53: Ich fand aber auch wunderbar Amaku Boa vor im Museum die Palazzo Grimani, Jenny Savill, die wir auch schon hier in Wien hatten... Und Richard Prince!
00:24:04: ...und Richard Prince, der mit Arthur Jaffa im Car Corner da von Parade zu sehen, weil es waren alles großartige Ausstellungen die noch mal so gezeigt haben.
00:24:13: Da gibt's auch viele Verbindungen heute mit Venedig, Erwin Wurm im Museum Fortouni.
00:24:19: also da ist glaube ich vieles zu entdecken und das fängt bei Albert und Marie-Christine an und wird weiter gereicht von Generation zu Generation und ich glaube dass ist auch was uns für die Zukunft motiviert.
00:24:31: Ich danke dir Ralf für diese Zeitreise, die wir dieses Mal von Wien nach Venedig und von der Renaissance über das Jahr siebzehn, sechsundsiebzig bis in die Gegenwart machen konnten.
00:24:40: Und beim nächsten Mal so viel können wir schon verraten.
00:24:43: reisen wird direkt weiter und
00:24:44: dann wirklich in die Zukunft.
00:24:47: euch vielen Dank fürs Zuhören.
00:24:48: wenn euch dieser Podcast gefällt dann abonniert ihn und empfehlt ihn gerne weiter.
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