Otto Waalkes
Shownotes
In dieser Folge von Lange Ohren trifft Clarissa Stadler Otto Waalkes in der Albertina. Ausgehend von seiner Ausstellung spricht Otto über künstlerische Freiheit, Parodie als Form der Verehrung und die Lust, bekannte Meisterwerke liebevoll zu verfremden.
Otto Waalkes erzählt von seinem Weg zur Kunst und mit der Kunst, sein Kunststudium in Hamburg und darüber, wie seine Ottifanten mit Werken von Dürer, Klimt und Schiele in Dialog treten. Außerdem erzählt er von der Hamburger Szene der 1970er-Jahre, seiner WG mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen sowie von Humor als Teil seiner künstlerischen Praxis.
OTTO MEETS ALBERTINA ist bis 10. Jänner 2027 in den Habsburgischen Prunkräumen der Albertina zu sehen. Otto Waalkes begegnet dort ausgewählten Meisterwerken der grafischen Sammlung, von Dürer bis Schiele, mit seinen Ottifanten, viel zeichnerischer Genauigkeit und seinem unverwechselbaren Humor. Wer die Albertina besucht, kann die großen Namen der Kunstgeschichte durch Ottos humoristischen Blick neu entdecken.
Alle Informationen zur Ausstellung: HIER
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00:00:01: Ein selbstständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen
00:00:05: worden ist, darf ohne Erlaubnis des Urhebers des benutzten Werkes verwendet,
00:00:09: verwertet und veröffentlicht werden. Das gilt auf der ganzen Welt. Das ist das Ottifantengesetz.
00:00:14: Das sagt Otto Waalkes, mit dem ich für den Podcast „Lange Ohren“ über seine Ausstellung in der
00:00:20: Wiener Albertina gesprochen habe. Otto zählt zu den bekanntesten Comedy-Größen des deutschsprachigen
00:00:26: Raumes, sein Wortwitz, seine musikalischen Parodien und legendären Fernsehauftritte sind
00:00:32: Goldstandard deutscher Komik. Was die wenigsten wissen: Otto Waalkes studierte in den 1970er
00:00:38: Jahren an der Kunstakademie und ist auch deswegen ein begnadeter Comiczeichner. Nun hat er sich auf
00:00:45: Einladung der Albertina berühmte Grafiken von Bruegel, Dürer, Klimt und Schiele vorgenommen
00:00:51: und ist künstlerisch mit diesen Meisterwerken aus der Sammlung der Albertina in den Dialog getreten.
00:00:58: Wie er es geschafft hat, seine berühmten Ottifanten in die Albertina zu schummeln
00:01:03: und sich selbst damit in den Olymp der Kunst einzuschleusen, dazu gleich mehr.
00:01:09: Mein Name ist Clarissa Stadler und ich begrüße sehr herzlich Otto.
00:01:13: Hallo, Clarissa.
00:01:15: Lange Ohren, der Albertina-Podcast.
00:01:21: Wie ernst gemeint war der Wunsch, den du letztes Jahr im Sommer im ORF deponiert hast,
00:01:25: einmal deine Kunst in der Albertina ausstellen zu wollen? Und was ist dann passiert?
00:01:30: Immer wenn ich in Wien war, war eine ganz besondere Ausstellung. Da habe ich einem
00:01:33: Redakteur beim Interview mal gesagt: „Was ist Ihr Traum?“ — „Ich würde einmal in der
00:01:37: Albertina ausstellen.“ Und dann konnte ich das auch mal dem Direktor erzählen. Und so ging das so weiter und so kam es dann zustande.
00:01:40: Da habe ich ein paar Vorschläge gemacht, paar Ideen haben wir gemeinsam entwickelt.
00:01:42: Dann bin ich nach Hause gefahren und habe schon mal versucht –
00:01:44: wir mussten ja erst einmal diese, also die Malgründe mussten wir erst einmal haben.
00:01:50: Malgründe, weil wir den Patina-Ton von Papier und Leinwand erst einmal genau inspizieren,
00:01:56: um das zu vergleichen.
00:01:57: Da haben wir noch jemanden hingeschickt, der die Mischung vorgenommen hat, die kam dann
00:02:01: zurück und so weiter.
00:02:01: Und da habe ich dann auch meine Zeichnung angefertigt, wieder zurückgeschickt und er
00:02:05: war begeistert und so.
00:02:06: Ja, in dem Konzept arbeite ich mal weiter,
00:02:08: Ich habe da so 14 oder 15 Bilder angefertigt
00:02:10: und da kam es dann zu dem Besuch und jetzt bin ich hier und stelle einfach aus.
00:02:15: In diesen wahnsinnigen Prunksälen.
00:02:17: Ist das nicht toll?
00:02:18: Ja, mir fehlen die Worte.
00:02:20: Von null auf Albertina.
00:02:21: Ich bin so beeindruckt, ich habe es ja gerade gesehen, ich habe meine erste Führung da gerade
00:02:25: gemacht und das war wirklich toll, wie identisch diese Rahmen miteinander da gebaut wurden
00:02:33: und hingehängt wurden. Eine Präsentation, die ich bisher noch nie so erlebt habe in meinen
00:02:37: künstlerischen kleinen Werken.
00:02:39: Es sieht wirklich fantastisch aus, muss ich sagen.
00:02:41: Also deine Arbeiten, deine Interventionen auf den wunderschönen sepiafarbenen
00:02:45: Papieren. Ich wollte gerne dazu kommen, dass sehr viele Leute gar nicht wissen, dass du ein Künstler
00:02:50: bist und eine künstlerisch fundierte Ausbildung hast.
00:02:54: Du hast ja in Hamburg studiert.
00:02:56: Ich habe in Hamburg an der Hochschule für Bildende Künste, der HFBK,
00:03:00: studiert.
00:03:03: In den 70er Jahren, acht Semester.
00:03:04: Die nahmen nur Pädagogen auf.
00:03:08: Das heißt, ich musste also auch Pädagogik belegen.
00:03:11: Das heißt, du wolltest Lehrer werden?
00:03:13: Ich wollte nicht Lehrer werden. Ich musste lernen, weil ich so gerne Freie Kunst studieren wollte.
00:03:16: Und unter der Voraussetzung, dass sie nur Pädagogen aufnahmen, musste ich dann auch Pädagogik studieren.
00:03:19: Und dann habe ich da ein Praktikum gemacht in der Schule, Entwicklung des europäischen Schulwesens seit Beginn des 19. Jahrhunderts und so weiter.
00:03:27: Und das hat mich nicht so interessiert.
00:03:29: Und als ich die Referendarzeit in der Klasse, mittlerweile hatte ich eine schöne Karriereentwicklung durchgemacht,
00:03:36: da eine Schallplatte aufgenommen, war älter und bekannt in bestimmten Bereichen –, die Kinder
00:03:39: kannten mich. Da kam ich in die Klasse, und natürlich: „Otto, mach uns einen Witz,
00:03:42: du wolltest Holladihi!“ Das war unterrichtlich unmöglich. Und ich habe dann weiter gemalt.
00:03:47: Und zwar war mein Professor, der Professor Tiemann, leider verstorben, und dann
00:03:51: der Herr Hausner, das ist ja ein Wiener, Hausner, Adam, warum zitterst du? Otto, was willst du hier?
00:03:57: Und so, und der kam dann mit seinem großen Rolls-Royce vorgefahren, schaute sich die Bilder an,
00:04:02: die ich dann gemalt habe. Das Mädchen mit der Wollmütze habe ich in seinem Stil dann auch so gemalt mit einem
00:04:08: Pointillismus, keine Striche, um da stoffliche Unterschiede herauszukitzeln, so wie Wolle, Seide, Pelz und so weiter.
00:04:16: Und das ist mir ganz gut gelungen. Und da war ich so stolz, dass er hin und her kam, reinguckte, näher ging und kurz kratzte:
00:04:21: „Interessant, was die jungen Leute heutzutage alles fertigbringen.“ Und dann ist er wieder nach Hause gefahren.
00:04:27: Na ja, dann habe ich weitergemacht. Dann kamen meine Fernsehshows und so weiter.
00:04:31: Aber ich habe die Malerei nicht vernachlässigt, habe immer weiter zu Hause gemalt.
00:04:37: Wie war denn das damals, also in den 1970er-Jahren, so die Kunstszene, das war ja vermutlich
00:04:42: völlig anders als heute.
00:04:43: Wie war so der Spirit, und wenn du das vergleichst mit der heutigen Kunst?
00:04:47: Na ja, das war so: Lindenberg fing da ja mit an, der hat da seine Zeichnungen gemacht,
00:04:51: „Alles klar auf der Andrea Doria“ und so weiter. Und ich habe dann versucht, immer meine Ottifanten
00:04:58: im Stil der klassischen Meister einzubringen, weil ich immer das Gefühl hatte, in den Galerien,
00:05:02: die ich häufig besucht habe, wurde zu wenig gelächelt oder gelacht, wenig. Und wenn du
00:05:07: ein bestimmtes Motiv hast, an das sich die Leute erinnern, „Mädchen mit dem Perlenohrring“ oder Klassiker,
00:05:13: „Mann mit dem Goldhelm und so weiter, dann gehen sie näher heran. Und wenn du dann den kleinen
00:05:18: Bruch machst, wenn du da plötzlich die Ottifanten irgendwie hineinsetzt und einbringst, dann erkennen sie das und freuen sich.
00:05:23: Dann sind sie überrascht, und zwar auf angenehme Weise.
00:05:26: Und das hat Spaß gemacht
00:05:28: und das hat plötzlich dazu geführt, dass da irgendwelche Galeristen auf mich zukamen: „Sie müssen bei uns ausstellen“ und hier und da.
00:05:33: Und dann ging es immer weiter.
00:05:34: Und jetzt bin ich in der Albertina.
00:05:36: Ich könnte eigentlich aufhören.
00:05:39: Bleiben wir noch ganz kurz in den 1970ern.
00:05:41: Du hast in einer legendären WG gewohnt mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen.
00:05:46: Was habt ihr da getrieben in dieser WG? Kannst du mal ein bisschen aus der Schule plaudern?
00:05:49: Das ist jetzt sehr intim, die Frage. Nein, das war eine WG, das war so die Gründung der Hamburger Szene quasi.
00:05:57: Wir hatten da Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen, Otto und dann waren auch noch einige Spiegel-Redakteure und es waren so 15 Leute alle in dieser Villa Kunterbunt.
00:06:06: So nannte man sie damals. Und da wurde gefeiert, ja, da war auch viel Aktionismus in der Stadt.
00:06:12: Lindenberg hatte einen anderen Tagesablauf. Der packte sein Schlagzeug aus und fuhr immer auf.
00:06:19: Und dann kam ich dazu: „Jodelahiti!“ Dann Marius’ Stimme, dann noch die Gitarre.
00:06:22: Und dann kam Hans-Otto, der Manager, da von oben runter, „Ich ziehe aus!“
00:06:27: So, es war immer irgendwie was los.
00:06:29: Aber es sollte auch eine Show stattfinden zu der Zeit.
00:06:32: Und zwar, der WDR war interessiert an einer Fernsehshow mit Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen, und Otto Waalkes..
00:06:39: Es wurden Fotos gemacht und so weiter.
00:06:41: Und die Vorbereitung dieser Show hat so lange gedauert, dass jeder von uns schon eine Einzelkarriere gestartet hatte.
00:06:47: Der Udo war da mit seinem „Hoch im Norden“, „hinter den Deichen“, Marius Müller-Westernhagen spielte im Film „Theo gegen den Rest der Welt“, der war sehr erfolgreich.
00:06:53: Und ich mit meinem kleinen „Es wird Nacht, Señorita“ und so.
00:06:57: Ihr wart zu schnell sozusagen.
00:06:58: Wir waren sehr schnell.
00:06:59: Ihr wart schneller erfolgreich, als der WDR überhaupt nachgekommen ist.
00:07:01: Ja, das waren wir, ja.
00:07:03: Und dann hat jeder seine Solo-Karriere gestartet und dann kam bei mir die Tournee und dann kam das Fernsehen und dann kamen die Filme und dann.
00:07:09: Und jetzt kommt die Albertina.
00:07:11: Also statt dem Trio infernal hat jeder von euch eine Solo-Karriere gemacht. Habt ihr heute noch Kontakt?
00:07:15: Ja, wir haben sehr viel Kontakt, sehr engen Kontakt. Wir haben uns auch gesehen, auch für irgendwelche Sondersendungen, die im Fernsehen laufen, wenn mal wieder eine Festlichkeit ist oder so.
00:07:22: Und Udo kommt ja immer mal rüber und ich gehe immer mal rüber, wir leben ja als Nachbarn.
00:07:26: Und auf den letzten Touren von Udo, wo wir immer noch als Überraschungsgast aufgetreten sind, haben wir zusammen gesungen:
00:07:32: „Der Greis ist heiß und er ist auf dem Heimweg, wird’s hell.“
00:07:37: Es hat sich also schon früh abgezeichnet, dass du ein begnadeter Zeichner bist.
00:07:41: Okay, auch Maler, aber eben vor allem Zeichner.
00:07:44: Cartoons waren schon ganz früh sehr erfolgreich, damit hast du dir ein Markenzeichen geschaffen.
00:07:49: Aber wann und wie bist du auf die Idee gekommen, dass du in so berühmte Meisterwerke eingreifst
00:07:55: und die so ein bisschen parodierst?
00:07:56: Na ja, ich war ja früher in der Schülerzeitung, habe ich dann schon die Lehrer karikiert und
00:08:00: habe dann schon kleine Elefanten gezeichnet.
00:08:04: Der Ottifant war eigentlich das Resultat eines verunglückten Selbstporträts.
00:08:09: Ich habe versucht, mich zu zeichnen im Spiegel, so eine Kontur, und mein Vater hat gesagt, was machst
00:08:15: du denn da?
00:08:16: Und dann habe ich gesagt, aus Verlegenheit. Ich habe den Rüssel, die Nase verlängert,
00:08:19: weil die Ähnlichkeit nicht da
00:08:20: war, und habe dann die Stummelohren gemalt, die beiden Beinchen drunter, und das war
00:08:25: ein Elefant, den habe ich dann Ottifant genannt.
00:08:27: Der nahm auch Teil in den Schülerzeitungen und kam mit kleinen Scherzen gut an.
00:08:31: Aber zum Beispiel "Edvard Munch - Der Schrei", wie bist du auf die Idee gekommen, da einfach einzugreifen?
00:08:36: Na ja, das ist ja die Nähe dazu, solche Gemälde
00:08:40: anzuschauen. Das ist durch Galerienbesuche, als ich nach Hamburg gezogen bin.
00:08:43: Von Emden, ich bin von Emden nach Hamburg, das war ja meine Studentenstadt, das war meine Zeit.
00:08:47: Ich wollte eigentlich nach Stuttgart oder so, wo meine Tante da wohnte, aber mein Bruder hat mich gewarnt, lass das lieber.
00:08:53: Und dann bin ich in Hamburg geblieben. Das hat mir gut gefallen, da war alles flach,
00:08:57: die Leute grüßen sich mit "Moin" morgens, mittags und abends. und das fühlte sich
00:09:01: wie zu Hause an und da bin ich dann geblieben.
00:09:03: Und dann habe ich auch gleich noch die Möglichkeit gehabt, in kleinen Clubs aufzutreten.
00:09:07: Da gab es so Danny’s Pan oder so Onkel Pö, da konnte man mit der Gitarre auf der
00:09:12: Open-Mic-Night Holla die Waldfee und kleine Scherze machen und bei mir war es immer so, ich war so nervös
00:09:17: und da ist mir das Mikro immer runtergefallen,
00:09:18: ich habe Lieder, seriöse Folklore gemacht, so von Bob Dylan und so weiter, aber in der
00:09:23: Nervosität ist mir das Mikro runtergefallen, da habe ich mich entschuldigt:
00:09:24: „Tut mir leid, kommt nicht wieder vor und so.
00:09:26: Und da kam die Entschuldigung besser an als meine Musik.
00:09:30: Und das ist dann bis heute dabei geblieben.
00:09:32: Und dann habe ich immer noch weiter studiert und immer wieder durch meine Galerien,
00:09:37: durchs Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, habe ich mir das angeschaut.
00:09:41: Und das sind eben diese Edvard-Munch- und diese Schrei-Geschichten und so, die erlauben mir, mit
00:09:45: ihnen vielfach eine Parodie zu machen, wenn du es länger anguckst, denkst du,
00:09:48: guck mal, zum Beispiel, wenn du eine Dürer-Arbeit hast, den Hasen, ja.
00:09:52: Da kommst du gleich auf Ideen, oder?
00:09:54: Ja, das habe ich ja auch gemacht. Das ist ja vorne in dem Buch der
00:09:58: Albertina auch drin.
00:10:01: Was siehst du zum Beispiel als Erstes, wenn du diesen Hasen siehst? Sind es die feinen
00:10:04: Härchen?
00:10:05: Wenn ich den unteren Teil austauschen kann, mit einem Ottifanten und dem Ottifanten noch
00:10:08: ein paar solcher Ohren ankleben, da siehst du Dürer drin, das ist wichtig. Dass du Dürer
00:10:13: da drin erkennst. Mit dem Stil habe ich das versucht zu malen, kannst du es dir gleich mal
00:10:17: in dem Buch anschauen, dann siehst du es.
00:10:19: Du hast ja den Dürer-Hasen gemacht, du hast aber auch ein Rasenstück gemacht, wo gleich
00:10:22: gemäht wird. Wie kam es denn dazu? gleich Angst und Bange eigentlich.
00:10:26: Dürers „Kleines Rasenstück“, das ist ja noch ein klassisches Werk, das ich immer geliebt habe.
00:10:31: Also Dürers Rasenstück, man kennt die Arbeit, ich beschreibe sie ja noch einmal für unsere
00:10:36: Zuhörerinnen und Zuhörer. Es ist ein kleiner Ausschnitt aus einer Wiese, man sieht irgendwie
00:10:41: Blätterwerk und so feine zarte Gräser und so kleine Blumenblüten. Ja, und dann kommt Otto und
00:10:47: kommt auf Ideen. Ja da komme ich auf Ideen, wie kann ich das verfremden, wie kann ich das erweitern?
00:10:51: Und dann kommt meine Version, das ist eine Zusatzversion. Dann nehme ich den Ottifant mit einem Rasenmäher
00:10:57: und der versucht das Rasenstück eben glatt zu machen.
00:10:59: Ist das nicht ein bisschen brutal?
00:11:01: Ganz im Gegenteil.
00:11:02: Die Parodie ist ja immer die aufrichtigste Form der Verehrung.
00:11:06: Und das freut mich dann, wenn es zusammenpasst.
00:11:08: Mir gefällt wirklich sehr gut der Titel "Final Cut", weil er so doppelt und vieldeutig
00:11:14: eigentlich.
00:11:14: Es ist ja ein Final Cut.
00:11:15: Ich will nicht zu sehr darauf eingehen, man sollte sich überraschen lassen, wenn man
00:11:18: hierherkommt und sich das anschaut.
00:11:20: Ich bin selbst überrascht gewesen, in diesen Prunkräumen plötzlich solche Zeichnungen von mir
00:11:24: zu sehen. So ein großes Kompliment habe ich noch nie bekommen.
00:11:26: Mir fällt dazu auch ein Lied von Reinhard Mey ein und das hat meine Mutter nämlich ganz früh immer,
00:11:30: ich komme jetzt drauf so gesummt, das hat mit der Arbeit auch zu tun, oder?
00:11:33: Ja, wie schon Reinhard Mey sang, ein Depp mäht irgendwo immer.
00:11:38: Das war es. Genau.
00:11:40: Also wir haben dieses schöne Rasenstück gesehen und dann gibt es noch eine tolle Arbeit,
00:11:43: da sieht man ja nur einen Flügel, das ist aber ein sehr berühmtes Meisterwerk,
00:11:48: heißt „Der Flügel einer Blauracke“. Circa um 1500. Es ist ein Aquarell, schimmert schön in
00:11:55: Blaugrün. Und jetzt kommt Otto ins Spiel, der ostfriesische Götterbote und macht was aus
00:12:00: diesem Flügel? Ach, das ist doch ganz einfach. Als ostfriesischer Götterbote trage ich stets
00:12:06: eine Kappe mit zwei Flügeln. Das habe ich schon früher auf meinen LPs schon gehabt,
00:12:09: aus Plastik, versilbert. Die musste ich einfach nur austauschen gegen Dürers Blaurackenflügel.
00:12:15: Und den zweiten habe ich dann dazu gemalt und die Kappe trage ich noch heute.
00:12:18: Aber es sind nicht nur die berühmten Arbeiten von Dürer, es haben dich auch Gustav Klimt und Egon Schiele gereizt.
00:12:26: Ja, hier haben wir so eine sehr düstere Zeichnung von Gustav Klimt.
00:12:30: Gefällt dir das nicht?
00:12:31: Ich finde es sehr, sehr düster und auch ein bisschen...
00:12:34: Das liegt daran, weil es eine Kohlezeichnung ist.
00:12:36: Und die habe ich jetzt nicht fortgesetzt, sondern habe das Bild noch einmal genommen
00:12:41: und der jungen Dame einen Rüssel geliehen.
00:12:46: Und es kriegt dann so einen grotesken Twist, plötzlich mutiert diese Dame mit Cape
00:12:51: zum Rüsseltier.
00:12:52: Wie ist das passiert?
00:12:53: Wunderbar, dann hat es seinen Zweck erfüllt, das sollte es auch.
00:12:56: Wenn ich das sehe, eine Kohlezeichnung von Klimt, dann kann ich auch nicht einfach einen
00:13:01: kleinen Ottifanten darin verstecken, dann mache ich es eben so,
00:13:03: das war nur eine Umsetzung und das hat funktioniert.
00:13:06: Gustav Klimt ist ja so typisch für Wien, Jahrhundertwende, Jugendstil.
00:13:11: Hast du zu dieser Zeit irgendeinen Bezug?
00:13:13: Gefällt dir das eigentlich?
00:13:14: Ja, das war eine bestimmte interessante Zeit.
00:13:17: Die Belle Époque mit der Salonmalerei.
00:13:20: Wunderschöne Frauen, wunderschöne Bilder und so.
00:13:22: Also wenn man Fotos dieser Frauen sieht, hat man den Eindruck, so toll sahen die auch nicht
00:13:26: aus. Die ganze schöne Epoche, so eine Wunschvorstellung für die nur Maler wie Klimt verantwortlich sind.
00:13:32: Und Schiele hat dann das Gegenprogramm entwickelt: Glasharte Realität.
00:13:36: Das ist so eine schöne Weisheit.
00:13:38: Ja, aber ist das nicht ein bisschen gemein gegenüber Klimt, wenn man Schiele als, also
00:13:43: du meinst glasharte Realität, weil er nicht so hübsche Damen gezeigt hat, sondern
00:13:48: ein bisschen...
00:13:49: Ja, eben. Und den zu parodieren ist nicht sehr einfach, weil er doch die glasharte Realität
00:13:54: zeigt, verknöcherte Gesichter, kantige Körper und so weiter.
00:13:57: Und trotzdem war ich ganz überrascht, dass es mir einigermaßen gelungen ist. Wie sehr sich das
00:14:00: Verhalten dieser Person verändert, wenn du einen Ottifanten hinzufügst.
00:14:03: Die trägt so ein lächelndes Gesicht. Wie eine ganz normale, groteske kleine Karikatur.
00:14:10: Aber sehr angenehm und sehr freundlich.
00:14:12: So hat hier eigentlich eine Verbesserung stattgefunden, habe ich das Gefühl.
00:14:15: Auf alle Fälle.
00:14:17: Aber sag, was ist schwieriger, Gustav Klimt oder Egon Schiele nachzuzeichnen?
00:14:20: Das sind Unterschiede.
00:14:21: Ist Rembrandt schwieriger als Monet?
00:14:24: Ich weiß es nicht.
00:14:25: Das ist egal.
00:14:26: Schwierig sind sie alle, weil das ja große Künstler sind.
00:14:28: Sie zu kopieren ist zu einfach, aber ihnen dann noch einen anderen Charakter zu verleihen.
00:14:35: Aber ist Kopieren nicht auch schon sehr schwierig, stelle ich mir vor?
00:14:38: Das Kopieren ist schwierig, ja.
00:14:40: Das überlassen wir dem Beltracchi oder so.
00:14:46: Und dann unterschreibe ich mit „Schiele“ – ist machbar.
00:14:50: Das wäre Diebstahl.
00:14:52: Das ist ja das Gefühl, Du kopierst die Bilder, darf man das rechtlich?
00:14:57: Nein, ein selbstständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist,
00:15:02: darf ohne Erlaubnis des Urhebers des benutzten Werkes verwendet, verwertet und veröffentlicht werden. §
00:15:08: 24 Urheberrechtsgesetz. Aha, den weißt du auswendig. Das gilt auf der ganzen Welt. Das ist das Ottifantengesetz.
00:15:14: Kann man in der Anwaltsschrift nachlesen. Das ist das Ottifantengesetz.
00:15:17: Das heißt, wenn ich einen Ottifanten hinzufüge, baue ich das Bild ein bisschen um. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten, und die unterschreiben
00:15:23: das – dann ist es rechtlich einwandfrei.
00:15:25: Wenn du so an so eine Arbeit herangehst, ich habe gelesen die Grundierung, das soll ja so ein bisschen wie die alten Blätter aus der Albertina aussehen.
00:15:32: Das war, wenn du über die Arbeit sprechen willst, das war kompliziert.
00:15:35: Die haben mir diesen riesigen Wälzer vorgelegt, Albertina, mit über 1000 Bilder und ich durfte mir was aussuchen.
00:15:41: Da habe ich 12, 13 Werke und Bilder ausgesucht. Die möchte ich kennenlernen, die einen sind für eine Parodie, sind auch nicht zu viel Arbeit, aber es ist trotzdem selber eindrücklich,
00:15:49: der Fragonard oder so was.
00:15:52: Und um dann noch eine Verbindung herzustellen, mussten wir denselben Grund
00:15:56: haben. Den brauchte ich.
00:15:57: Ich habe jemanden hingeschickt, der sich diese angeschaut
00:15:59: hat. Aber der Abdruck im Buch ist natürlich unterschiedlich,
00:16:03: also in dem Wälzer. Das ist unterschiedlich zum Faksimile.
00:16:07: Alles sieht anders aus
00:16:09: von Intensität, von der Färbung.
00:16:10: Das macht aber nichts.
00:16:12: Das bereichert das Ganze noch.
00:16:13: Wenn du den Stil beibehältst und nur leicht den Grund
00:16:16: findest, kriegst du eine ganz andere Stimmung.
00:16:17: Das ist so wunderbar.
00:16:18: Und technisch hast du da getrickst, um diese Bräunlichkeit heute herzustellen.
00:16:22: Hast du was gemacht?
00:16:23: Das habe ich bisher, mache ich jetzt in den letzten Jahren mal mit.
00:16:26: Es gibt natürlich, du kannst eine Lasur nehmen oder so, oder irgendwelche Lacke, aber ich
00:16:31: mache es mit Ostfriesentee.
00:16:33: Ich brühe mir einen Tee, den ich normalerweise trinken würde, aber ich mache ihn etwas stärker.
00:16:38: Ich lasse ihn abkühlen, gieße ihn über die Leinwand, ihn langsam darüber, versuche das in
00:16:43: bestimmte Richtungen zu verändern, dann kriegt sie diesen Patina-Effekt, der ist dann sofort
00:16:46: da.
00:16:47: Ich lasse sie eine Stunde oder ein paar Stunden trocknen und mache dann die Zeichnung da rein. Genial.
00:16:52: Mit Künstler-Tempera Umbra mache ich die Zeichnung, die ich vorher mit einem Bleistift vorgezeichnet
00:16:56: habe, dann lege ich los, lasse es trocknen und dann kommen die
00:17:00: Weißhöhungen, Nase, Spitze, Knoten und so weiter, Schulter, Gesicht und dann kommt darüber die Farbe. Leicht deckend,
00:17:10: leicht lasierend, kommt drauf an, was für Effekte man erzielen will.
00:17:13: Und hast du das mit dem Tee erfunden oder ist das schon eine anerkannte
00:17:17: Technik? Das ist schon im 15. Jahrhundert von einigen Malern benutzt worden.
00:17:22: Die Lichtstärke, die Lichthaltbarkeit und die Haltbarkeit sowieso ist nicht gewährleistet.
00:17:27: Da musst du doch irgendwie noch so eine andere Farbe dazu mischen,
00:17:31: so eine Künstler-Tempera Umbra oder so
00:17:34: etwas, um diesen Effekt wirklich auf Dauer zu erzielen.
00:17:35: Ich habe das Bild gemalt, Mädchen mit der Wollmütze,
00:17:38: mein erstes Bild war das in der Kunstschule.
00:17:40: Das habe ich heute noch,
00:17:41: nach wie vor. Ich dachte: 100 Prozent nach dem Stil. Ja, mit selbst angemischten Farben
00:17:45: und Venezianer Terpentin und ich weiß nicht, was alles dazu kommt.
00:17:48: Und die Gaze auch selbst gemacht und so weiter.
00:17:50: Das Ding ist jetzt 50 Jahre alt und ist schon draußen gelegen oder so, aber
00:17:54: hat immer noch die Farbintensität.
00:17:56: Das ist so wichtig, das ist was für die Nachwelt.
00:17:59: Ich habe zwar nichts davon, aber es hört sich gut an.
00:18:01: Was bist du eigentlich für ein Künstler bei der Arbeit?
00:18:04: Bist du ein ungeduldiger Künstler?
00:18:05: bist du einer, der so ganz versinkt und dann so irgendwie wird das kontemplativ
00:18:09: oder bist du jemand der so so so wie Jackson Pollock so so ruckartig was macht?
00:18:14: Nein, das ist ja bei so präzisen Arbeiten ist so Ruckartiges nicht so erforderlich.
00:18:19: Du musst dir schon Zeit nehmen.
00:18:22: Es ist keine Meditation, aber es ist entspannend.
00:18:25: Auf der anderen Seite innen drin ist es wie beim Verliebtsein.
00:18:28: Wenn du verliebt bist, dann ist ja das Gehirn. Das Gehirn ist ja eigentlich für das Rationale zuständig.
00:18:34: Und das ist dann plötzlich ausgeschaltet, ist praktisch tot.
00:18:37: Und im Körper selbst herrscht Aufruhr und Chaos.
00:18:42: Und dann legst du los, ja, aber immer gebremst.
00:18:45: Das ist schon, macht einen Riesenspaß, wenn plötzlich etwas entsteht. Und die nächste Schicht,
00:18:50: ich will jetzt nicht auf ein bestimmtes Bild, aber die nächste Schicht,
00:18:52: plötzlich verändert sich die Textur.
00:18:54: Dann ist aus der Wolle plötzlich wirklich Wolle geworden oder so.
00:18:57: Und dann kommt jemand rein, „Was machst du da gerade?“
00:18:59: „Ja, guck schon.“
00:19:00: „Wow.“
00:19:01: Dieses Lob brauchst du,
00:19:03: und dann bestätigst du deine Arbeit auch noch.
00:19:05: Hörst du eigentlich Musik bei der Arbeit? Ja, klassische Musik halt manchmal, dann höre ich mal Billy Joel, den mag ich da ganz gern so, Musik der 70er, irgendwas läuft immer.
00:19:16: Und klassische Musik auch? Ja, klassische, Filmmusik auch, ja.
00:19:20: Filmmusik? John Williams, das liebe ich auch so. Aber es ist verrückt, wie Musik mich beeinflusst, diese Filmmusik.
00:19:31: Dann schwebt der Pinsel hin und her. Das ist gefährlich, aber es entsteht auch etwas.
00:19:35: Und bei der Klassik würde mich einfach nur so interessieren, hast du da eher so Bach
00:19:39: oder eher so was Wildes oder irgendwie Opulenz mit Wagner?
00:19:40: Ach doch, so Bach, Mozart, Bach, ich höre eigentlich alles, was es in der Klassik gibt.
00:19:45: Gehen wir noch einmal ganz kurz zurück in diese Zeit der 70er-Jahre und dann auch
00:19:49: 80er-Jahre. Was mich auch interessiert, was auch nicht so bekannt ist, dass du ja mit dieser
00:19:53: sogenannten Neuen Frankfurter Schule ja sehr eng verbunden warst eigentlich. Also Robert
00:19:57: Gernhardt, ein sehr geschätzter Autor von mir, es gibt ja diese tollen
00:20:00: Gedichte von dem. Und ihr habt ja eigentlich zusammengearbeitet, oder? Ach ja,
00:20:03: der Bernd Eilert lebt ja noch, der ist ja noch da.
00:20:07: Na, wir arbeiten schon seit 50 Jahren zusammen. Wir sind ein Team gewesen,
00:20:10: das die ganzen Filmdrehbücher geschrieben haben. Zusammen haben wir gesessen
00:20:13: in einer konspirativen Wohnung in Frankfurt und haben da die Drehbücher
00:20:17: entwickelt für Shows, für Filme, Fernsehshows und so weiter. Und das begann
00:20:25: eigentlich damit, dass ich einmal einen Text von Robert Gernhardt, das war das
00:20:28: Gebet "Lieber Gott gib doch zu, dass ich klüger bin als du und nimm doch endlich hin,
00:20:32: dass ich etwas Besonderes bin. So: „Nun preise meinen Namen, denn sonst setzt es etwas.
00:20:36: Amen“" oder so. Und so haben wir zusammengefunden. "Wie fandest du mein
00:20:40: Gedicht?" "Ja, fand ich ganz gut. Wir könnten doch mehr erfinden, wir sind bestimmt zusammen."
00:20:44: Und so saßen wir zusammen, er hat seine Frankfurter Schule auch dazugeholt.
00:20:47: Die haben natürlich auf einem ganz anderen Niveau geschrieben.
00:20:49: Die Schule der Hochkomik, wenn ich als kleiner Student da mit meinen Hörnern hinein oder so.
00:20:54: Und da musste ich erst einen Weg finden, wie wir gemeinsam solche Sachen massentauglich machen.
00:20:59: Das ist uns gelungen.
00:21:00: Aber man spürt, dass ihr eine ähnliche Art von so dadaistischem Humor habt.
00:21:04: Da waren die Herrschaften, Freunde von mir, weit voraus, aber sie haben zurückgefunden zu mir.
00:21:11: Das war schon richtig, ja. Da haben wir lange zu gebraucht. Wir konnten es nutzen,
00:21:16: zu viert. Und das Starke war, wenn wir zusammengearbeitet haben, dass jeder in eine bestimmte
00:21:20: Richtung denken durfte. Er wurde nicht ausgebremst. Und darüber wurde diskutiert: Ist der
00:21:24: Gedanke gut? Geht das? „Mein kleiner grüner Kaktus“ singst du mit der Gräfin im Wagen.
00:21:28: „Mein kleiner grüner Kaktus“? Das geht dann nicht. Das gibt es nicht. Das wurde akzeptiert und
00:21:31: dann haben wir den Gedanken drübergemacht. Und das war sehr kreativ. Das waren kreative Jahre.
00:21:35: Bis heute. Ja. Einige haben uns verlassen. Einige sind noch da. Pit Knorr ist noch da.
00:21:40: Also ihr wart so ein kleiner, kreativer Cluster, so eine Nische. Richtig. Und habt ihr eure lustigen,
00:21:45: spaßigen und intellektuellen Möglichkeiten ausgelotet und dann ist es plötzlich immer
00:21:49: größer geworden. Dann wurde es quasi zu einer, also in deinem Fall, zu einer populären
00:21:54: Massenbewegung. Das kam gut an, oder? Es kam gut an, ja. Ich konnte mir später auch
00:21:58: den Pulli leisten, den ich mir immer gewünscht habe und so. Es war ja echt einfach, ich habe
00:22:03: es bis heute noch so durchgezogen, ja, merkwürdigerweise. Und jetzt mit der Malerei, das hat sich auch
00:22:08: intensiviert, da habe ich plötzlich eine Ausstellung gehabt im Museum für Kunst und Gewerbe, das war
00:22:12: schon etwas größer. Und dann kam eine kleinere Ausstellung einmal in irgendwelchen Galerien,
00:22:18: die dann kamen und sich dann darum gekümmert haben. Du bist einfach ein sehr vielseitiges
00:22:24: Talent, weil du kannst eigentlich alles. Du kannst Musik, du kannst also Gitarre spielen,
00:22:29: singen. Ich spiele sehr gerne Gitarre, aber das ist alles nur für den Hausgebrauch,
00:22:32: weißt du? Es gibt immer jemanden der das besser kann. Darüber musst du dir im Klaren sein. Ich sage
00:22:38: nie: Dings, ich bin der Größte. Und für mich war es immer eine Seifenblase. Irgendwann
00:22:41: ist diese Karriere vorbei. Das verstehst du. Aber ich habe alles ausgenutzt.
00:22:46: Ich war nur im künstlerischen Bereich tätig. Ich war in Musik, Gitarre, Schlagzeug, Instrumente,
00:22:52: Klavier. Und jetzt kommt eben die Kunst mehr zum Zug in diesen Jahren, kann man sagen, oder?
00:22:56: Kommt auch immer mehr zum Zug. Immer mehr. Ich habe ja auch
00:22:59: im Ernst-Happel-Stadion, da habe ich mit einer Band mal was gespielt,
00:23:02: das war auch eine Möglichkeit.
00:23:04: Und das war auch ganz nett.
00:23:05: Im Mozart-Saal
00:23:06: bin ich ja früher Anfang der 70er-Jahre sogar aufgetreten.
00:23:10: Zwei Auftritte pro Tag.
00:23:13: Da war diese Geschichte mit der Thurnher,
00:23:16: das war tatsächlich überraschend, dass das so eine Zuschauerschaft und Zuhörerschaft
00:23:21: gefunden hat.
00:23:22: Das ist bis heute einer der beliebtesten Clips, den man in der Mediathek abrufen kann.
00:23:28: dass sie die Geduld hatte, das zu akzeptieren.
00:23:31: Weil ich dachte, ich passe doch überhaupt nicht in diesen Rahmen
00:23:33: hier rein. Was
00:23:35: soll ich denn jetzt hier?
00:23:37: „Ich hab nicht an dem Mast gesägt, ich hab nur mit dem Ast gefegt.
00:23:38: Da hab ich mich mit Hast bewegt,
00:23:39: und das hat wohl den Gast erregt, und der hat dann den Mast
00:23:41: zerlegt.“ Und zumal,
00:23:43: ne, und dann: „Stammt der Mensch vom Affen ab,
00:23:44: stumpft das Kind beim Gaffen ab, macht die Frau beim Schaffen schlapp.
00:23:46: Wie lang ist ein Giraffengrab, wo werden die Karaffen knapp?
00:23:48: Schafft der Papst die Pfaffen ab, legt man im Bett die Waffen ab?
00:23:50: Was tun, wenn ich ’nen Schlaffen hab’?“
00:23:51: Und solche Sachen hatte ich da mit ihr, glaube ich.
00:23:54: Jetzt weiß ich das nicht ganz genau, ist schon zu lange her, aber …
00:23:55: Also ich würde mal sagen, dass für viele heute oder eben auch Jüngere,
00:23:59: das sozusagen der berühmteste Clip ist, den man mit Otto und dem ORF assoziiert.
00:24:03: Natürlich kennen die Leute sonst eine andere.
00:24:04: Ja, weil hier so zwei Welten zusammengekommen sind.
00:24:07: Die volle Seriosität und der etwas leichte Humor, der passt. Das passt irgendwie,
00:24:13: obwohl das gar nicht gepasst hat.
00:24:15: Und sie ist ja jetzt sogar Chefin vom ORF und ich bin plötzlich in der Albertina.
00:24:19: Wir haben es also beide geschafft.
00:24:21: Ja, vielleicht begegnest du ihr noch.
00:24:23: Ja, bestimmt. Die hat sich schon angemeldet.
00:24:25: Jetzt hast du gerade selbst gesagt, dass die Musik auch eine immer größere Rolle spielt.
00:24:30: Stimmt es, dass du in der Elbphilharmonie auftreten wirst?
00:24:33: Ja, ich trete jetzt am 17. Juni auf und zwar mit dem klassischen Werk von Camille Saint-Saëns,
00:24:40: wird das so ausgesprochen, „Karneval der Tiere“.
00:24:43: Da habe ich meinen kleinen Sessel, habe mein Mikrofon und dann das Orchester auf der Bühne
00:24:48: und da werde ich dieses, die Wortbeiträge dazwischen sind ja frei,
00:24:52: der hat ja nur Musik geschrieben,
00:24:54: also kann ich dazwischen meinen Einsatz setzen.
00:24:56: werde auf die Tiere hinweisen, werde Gedichte über die Tiere vortragen und
00:24:59: das ist einfach mal ein Versuch.
00:25:02: Warum nicht?
00:25:03: Aber wie ist denn dann der Unterschied einerseits, wenn du auf der Bühne stehst und die Massen
00:25:07: toben und dir zujubeln und dann Otto alleine zu Hause im Atelier als Künstler,
00:25:12: was ist denn der Unterschied?
00:25:13: Kein großer, weil du malst auch für ein breites Publikum in den Ausstellungen und so weiter.
00:25:20: Da findet so ein Happening statt. Das ist wie eine Vorbereitungszeit wieder für einen
00:25:24: Massenauftritt in irgendwelchen Ausstellungen und Galerien, wo das Publikum hinkommt. Das ist
00:25:30: eine gute Vorbereitung. Dann sage ich danke, Otto für dieses fabelhafte Gespräch und natürlich
00:25:37: danke auch für diese schöne Ausstellung, die man ab jetzt in der Albertina bewundern kann.
00:25:41: Danke, das freut mich auch und dass du so viel zugelassen hast, dass ich so schnell sprechen durfte, weil ich so wenig Zeit habe.
00:25:46: Vielleicht sollten wir es mal nachholen, einen gemütlichen Nachmittag, wo wir uns viel Zeit lassen, um solche Themen auszuarbeiten und auszureden.
00:25:52: Das machen wir. Danke.
00:25:54: Ich habe zu danken.
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