Gottfried Helnwein – Kunst und Comic
Shownotes
In dieser Folge tauchen wir ein in die Welt von Comics, Cartoons und Kunstwerken, die sich damit beschäftigen. Der österreichische Künstler Gottfried Helnwein erinnert, welchen Stellenwert die Welten von Mickey Mouse und Donald Duck in der grauen Nachkriegswelt seiner Wiener Kindheit für ihn spielten, warum die Unterscheidung in „high“ and „low“ in Bezug auf Kunst sinnlos ist und was Comics zu einer Weltsprache macht.
Dabei schlagen wir den Bogen von Poussin im Rokoko, über Honoré Daumier im 19. Jahrhundert und Lyonel Feininger im frühen 20. Jahrhundert bis zu den Künstlerinnen und Künstlern, die aktuell in der Ausstellung KAWS Art & Comix ausgestellt sind.
Mehr erfahren? Die Ausstellung KAWS. Art & Comix untersucht die Wechselwirkung von Comics, Bildergeschichten, Cartoons und Kunst. Die Ausstellung rückt den US-amerikanischen Künstler KAWS in einen Dialog mit ausgewählten Positionen der Gegenwart und betont die künstlerische Autonomie seiner Charaktere, die Pop-, kommerzielle und öffentliche Kunst miteinander verbinden.
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00:00:00: Es ist eine unglaubliche Direktheit dieser Comics, die jeden sofort erreichen.
00:00:04: Egal welche Sprache es spricht und wie er hinten kommt aus welcher Tradition – das ist etwas, dem man sich nicht entziehen kann.
00:00:11: Die Sprache ist direkt brutal und die erreicht jeden!
00:00:15: Sagt Gottfried Hellenwein, den ich für eine neue Folge des Albertina-Podcasts Lange Ohren getroffen habe und mit ihm über seine Verehrung von Donald Duck, Kunst & Comic und die aktuelle Ausstellung Chorus Art and Comics in der Albertiner Modern zu sprechen.
00:00:30: In der auch Arbeiten von ihm zu finden sind!
00:00:32: Und ich freue mich auf eine Zeitreise in einem U-Bahn Abteil, in dem eine Begegnung von Mickey Mouse und Adolf Hitler ebenso möglich ist wie die von einem Pfürsich und einer Operchinie.
00:00:45: Der Albertina Podcast.
00:00:49: Mein Name ist Felix von Böhm und ich begrüße Sie sehr herzlich im Albertina-Podcast.
00:00:53: Lange Ohren, Gottfried Hellenweil.
00:00:55: Guten Tag!
00:00:56: Herr Helmen, Sie haben sich nicht als Expressionisten, Impressionisten oder Syrialisten bezeichnet sondern als Donaldisten?
00:01:05: Was ist ein Donaldist?
00:01:06: Die Tatsache ist dass diese Figur Donald für mich eine ganz große Beteutung hat biografisch, künstlerisch und jeder Hinsicht weil ich ja als jemand der nach dem Krieg geboren ist, das Wien erlebt hat.
00:01:20: Als graue schreckliche Stadt wo alle deprimiert waren oder Schatten des Tausendjährigen Greiches noch über der Stadt hinkt und für mich als Kind war es sehr verstörend wenn ich verstanden habe.
00:01:31: Ich dachte immer irgendwas stimmt da nicht.
00:01:32: Es war eine Art Vakuum.
00:01:35: Alles war die Welt bei mir ein schwarz-weiß Film.
00:01:37: Und dann kam also vier fünf Jahre alt war das erste Mal habe ich das erste eines der ersten deutschen Mikkelmassefte Und ich habe das geöffnet.
00:01:46: und es war so wie wenn in dem Moment, als ich enten Haus nach Boden betreten hab, hat sich alles verändert.
00:01:55: Das Leben hat plötzlich einen Sinn gemacht für mich.
00:01:57: Ich bin das erste Mal dreidimensionalität erlebt, Farbe, Bewegung – und es hat alles verändert!
00:02:03: Es war ein absoluter kalter Schock und das Leben hat wieder Sinn gemacht.
00:02:08: Und von den momentan war Comic-Kunst die Sprache unserer Zeit.
00:02:15: Und das habe ich verstanden und ich denke auch, dass die bildliche Sprache des zwanzigsten Jahrhunderts ist der Comic.
00:02:26: Und deswegen hat Comic auch so einen ungehören Einfluss auf alle künstlerischen Entwicklungen seit dieser Zeit.
00:02:33: Würden Sie sagen, dass das Comic-Verständnis in einer jungen Generation – wir sind ja jetzt sogar im einundzwanzigsten Jahrhundert immer besser geworden ist.
00:02:41: Also würden sie unsere Generation eine größere Comiclesefähigkeit zuschreiben?
00:02:48: Ich glaube, der Weg mit Leute, die gewahrnehmen und was sie erwarten, ist geprägt durch diese Comickunst.
00:02:55: Das heißt alles hat sich verändert.
00:02:57: Ich glaube von dem Moment an, im zwanzigste Jahrhundert vor allem In Amerika schon früher, bei uns dann nach dem Krieg, also Mitte des Jahrhunderts hat Comic eine immer größere Bedeutung gekriegt und zwar ganzressant.
00:03:11: Und ich habe sehr früh schon gesagt die beiden großen Protagonisten in der Bild- und Kunst des Jahrzehnten sind Picasso und Walt Disney.
00:03:19: Ich würde so beschimpft und bekämpft, dass alle Experten mich gehasst dafür.
00:03:24: wie kann man diesen Schund als Kunst bezeichnen?
00:03:26: Also hartnäckig immer behauptet das der Einfluss Disney ist enormes und es stellt sich heraus dass die Nachhaltigkeit und die breiten Wirkung viel größer sind als von Picasso.
00:03:36: Das ist alles verändert, so wie wir die Welt sehen, wie wir der Erwartung, den wir haben visuell das alles vom Comics geprägt.
00:03:42: Es konnte sich praktisch kaum ein Künstler in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts diesem Einfluss entziehen.
00:03:50: Woher Herr Hellmann kommt eigentlich dieses Bedürfnis überhaupt im High and Low?
00:03:54: Im E und U zu unterscheiden?
00:03:56: was sind das für komische Kategorien?
00:03:58: warum haben wir die erfunden?
00:04:00: also ich habe seit den Ende der Sechzehnte Jahre, die siebte Jahre unterbrochen und dagegen angekämpft und gewettert.
00:04:07: Damit gegen alle Professoren auf der Akademie und gegen alle Wichtigaturen, die über Kunst schreiben, indem ich gesagt habe das ist die Abartheit-Situation in unserer Kunst heutzutage ja?
00:04:17: Die Behauptung es gibt zu einem Herrenmenschenkunst ein Überkunst und dann gibt's die Untermenschenkunst.
00:04:23: Und ich fand das komplett unberechtigt weil es gibt also maßlos überbewertete Werke der sogenannten Hochkunst und ganz geniale Werke des sogenannten Urkunft.
00:04:32: Das heißt, diese Begriffe sind vollkommen willkürlich sowie die Nazi-Begriffe unter Menschen herrenmenschen.
00:04:38: Also es ist einfach nicht nur destruktiv, das ist auch komplett falsch und hat keinen Bezug zur Realität.
00:04:50: oder spricht er... sogenannten Low-Kunst oder der Popart ja auch jegliche Formen von Reflektiertheit ab, was eigentlich auch eine Unerhörtheit ist.
00:04:58: Es ist dumm!
00:04:59: Es ist einfach dumm, aber es ist immer so... jede Gesellschaft, auch die Kunstgesellschaft entwickelt dann irgendwann eine Elite von Idioten muss ich sagen, immer sowohl in der Politik, die sich dann zu wichtig nehmen und das Thema immer verfehlen, da muss man dazusagen.
00:05:18: Und das Gute ist nur dass große Kunst sich immer durchsetzen wird.
00:05:23: D.h.,
00:05:23: es gibt Kunst, die zu Lebzeiten des Künstlers völlig übersehen wurden als unbetraten betrachtet wurden.
00:05:29: Frank Auch ist jetzt ein ganz populäres Beispiel und das sich einfach durchgesetzt hat ohne Lobby, ohne irgendwelche PR-Experten.
00:05:37: Das ist einfach rein durch die Qualität!
00:05:39: Und das ist das Wunder der Kunst.
00:05:40: Das große Kunst wird sich durchsetzend.
00:05:42: Es kann sein oder drückt, dass man es verhindern kann seit lang... Aber in einem Zeitraum von hundert Jahren etwa nimmt jede Kunst den Platz an der Gebühr.
00:05:53: Auch Kunst, die zu hoch positioniert wurde und gepusht wurde mit Zurücksinken auf dem Level, also man muss sich um Kunst langfristig keine Sorgen machen.
00:06:08: Große bedeutende Kunst wird überbleiben immer – in jedem Fall!
00:06:12: In der Ausstellung gibt es den wunderbaren Zyklus von Ed Reinhardt, How to Look at Art.
00:06:18: Und da findet sich unter anderem auch ein Platz das einen Baum der Kunst zeigt, nämlich den Baum der Modern art of America.
00:06:25: und wenn man sich das genauer anschaut dann ist da unten ein Humus Primitive Art und Greek Art.
00:06:31: Dann sind die Wurzeln, da steht drüber Cézanne und Fangoche und Gougain.
00:06:35: Dann kommt der Stamm mit Braque und Matisse und Picasso.
00:06:38: Und dann kommen so kleine Äste.
00:06:40: Wie würde der Baum der Kunst von Gottfried Hellenwein aussehen?
00:06:44: Also darüber habe ich nie nachgedacht.
00:06:46: für mich war es so... Als ich beschlossen hab Künstler zu werden, mich vollkommen ausschließlich darauf zu konzentrieren um mein Leben auszurichten habe ich das wie ein autistisches Kind gemacht.
00:07:00: Ich hab ganz bewusst alle Einflüsse der sogenannten Hochkunst und der großen Kunst der Vergangenheit komplett ausgeschlossen, und das einzige womit ich auf was mich bezogen hat war wirklich die sogenannte Trivial Art, also Comics, Movies, Musik, Street-Art... Das wars eigentlich!
00:07:21: Und habe meine eigenen Meine eigene Bildsprache entwickelt, meine eigenen Formel war völlig egal ob das jemand gefallen hat oder so hineingepasst.
00:07:29: Inzwischen hat sich die Kunstszene offiziell so oft verändert und es ist immer neue Kunstrichtungen ausgerufen worden und wieder verworfen worden.
00:07:37: Das war mir eigentlich immer egal weil ich irgendwie ein Tag war wenn's um eine Kunst ging.
00:07:45: Ich hab keine Einflüsse gebraucht von außen Und ich erinnere mich dass ich wenn ich darauf verwiesen habe, wie bedeutend Comics sind und vor allem Disney-Comics dass ich immer auf sehr viel Gegenwind gestoßen hab.
00:08:00: Ich bin so attackiert und beschimpft von Artkritikern Und dann kam in den, ich glaube es war in den Achtziger Jahren diese wichtige Ausstellung im Museum of Modern Art High and Low.
00:08:12: Das erste Mal ist auch diesen schlauen Eierköpfen aufgefallen.
00:08:18: Wenn jemand ein Comic nimmt, projiziert das an die Wand und zeichnet es nach wie Roy Lichtenstein.
00:08:23: Wenn das bedeutende Kunst ist kann das Comic, das Original jetzt nicht gar nix sein.
00:08:27: Das geht sich dann nicht richtig aus.
00:08:29: und dem begonnenen Nachzudenk uns hier da plötzlich bemerkt dass das Comics ein Faktor sind bei bedeutender Fakten.
00:08:37: ohne die gibt's keinen Roy Lichenstein.
00:08:39: Es wär nichts über von dem ja.
00:08:40: Es gäbe auch keinen Warhol und viele andere Und selbst Philipp Gaston einen Künstler der also sehr sehr abstrakt gearbeitet hat, ein Intellektueller plötzlich umgeschwenkt und eine völlig neue Form der Comicsprache gefunden die ich genial finde.
00:08:57: Und deswegen muss man sagen dass dieses Disney dann auch letzten eines der Inspirater für diese ganze Kunst war die aus Asien kam.
00:09:08: ja das heißt auch Manga und alle die Väter von dieser völlig neuen komikartigen Kunst Geben zu, dass sie sich auf Disney bezogen haben und das sie von ihm gelernt haben.
00:09:22: Das ist alles Kampf um Walt Disney!
00:09:23: Der
00:09:23: Sicher wiederum interessanterweise auch tatsächlich den Rockercobezogener teilweise auf Busan oder dergleichen?
00:09:30: Ja also Disney hat sich auf alles bezogen was der vergangen bin aus einer aus einem Blickpunkt der Mikimaus.
00:09:37: Das heißt, er hat ja auch Grimms Märchen alles möglich genommen als er vergangen hat aber hat ihm eine völlig neue Gestalt, völlig neue Form gegeben und eine neue Realität.
00:09:48: Das heisst es lässt sich alles!
00:09:52: in eine Comicverwaltung.
00:09:53: Der Künstler, der hier jetzt in dieser Ausstellung im Zentrum steht ist Kors, der auch ein interessantes Phänomen seiner Zeit ist und er hat mir vorhin im Gespräch gesagt Artists look back to walk forward.
00:10:05: würden Sie dem zustimmen?
00:10:06: Ja das ist durchaus legitim das sozusagen und so zu sehen.
00:10:09: ja absolut
00:10:10: Sie sind gerade durch die Ausstellung gegangen.
00:10:12: Die Ausstellung eröffnet uns erst mal oder wartet auf uns mit einem U-Bahn-Vagon, was ich sehr schön finde weil man sich sozusagen eigentlich mental in diesen Vagons setzen kann an der fünftigsten Straße.
00:10:23: auch das ist ausgewiesen in New York.
00:10:26: beschreiben sie mal ihren eigenen Underground Ride durch diese Ausstellung.
00:10:30: Was haben sie empfunden?
00:10:31: Es ist eine wirklich gut inszenierte Ausstellung muss ich sagen.
00:10:35: also es ist eigentlich wie eine große Installation Und sehr, sehr gut gemacht.
00:10:40: Weil es für jeden auch für ein Kind eine großen Unterhaltungswert hat und verblüffend ist.
00:10:47: Also sehr inspirierender durchzugehen.
00:10:49: Ich habe sehr viele Positionen, die ich so noch gar nicht kannte.
00:10:54: Also es ist eine sehr gelungene, tolle Ausstellung.
00:10:56: Und auch sehr spannende Gegenüberstellungen.
00:10:59: zum Beispiel gibt es den Popshop von Keith Herring der dann plötzlich neben zwei Arbeiten von ARPank hängt.
00:11:05: Es macht irgendwie wahnsinnig Spaß weil das zwei Welten sind die nie wirklich miteinander kommuniziert haben Die aber jetzt in dieser Ausstellung total
00:11:12: miteinander kommunizieren.
00:11:13: Ja man sieht die Rührungspunkte Das gibt ja immer ne neue Perspektive Wenn ein Kunstwerk ist ja nicht etwas Neutrales und Statisches, sondern immer auch abhängig von dem Raum in dem es gezeigt wird und stattfindet.
00:11:27: Das heißt die Installation ändert alles – auch das Kunstwerk selber!
00:11:30: Und vor allem im Dialog einer Geügendstellung mit anderen Kunstwerken entsteht eine völlig neue Realität.
00:11:37: Interessant ist, was ich gerade verblüffern habe, gerade jetzt in Madrid ebenfalls eine Ausstellung, die komikorientiert ist.
00:11:45: Das heißt, es sind also meine Arbeiten die komik thematisch sind auch gegenübergestellt Kunstwerken von Comic-Kunstwerken und von anderen Künstlern.
00:11:57: Das finde ich gerade zur gleichen Zeit statt.
00:11:59: Und ich glaube das ist kein Zufall!
00:12:01: Die Zeit ist jetzt reif auch für aus musealer Sicht sich das Thema vollkommen neu anzusehen und die Bedeutung... wirklich hervorzuheben und zu verstehen.
00:12:11: Würden Sie sagen, dass diese Ausstellung – vielleicht auch die Ausstellung in Madrid so etwas freilegen wie eine universelle Sprache, die eben die Sprache des Comics wäre?
00:12:21: Und die eben auf allen Ehrteilen durch alle Generationen hinweg gesprochen
00:12:25: wird?
00:12:25: Es ist eine sehr powerful Sprache!
00:12:28: Deswegen hat sich es auch durchgesetzt.
00:12:32: Ich glaube das jede Zeit ihre eigene Ästhetik hat, ihre eigene Sprache In der Literatur, so wie in einer Billenkunst.
00:12:42: Und im zwanzigsten Jahrhundert war es einfach komisch.
00:12:46: Das hat schon früher begonnen um die Jahrhundertwende Aber ab der Mitte des Zwanzigstums ist es durchgebrochen und hat die vollkommene Kontrolle übernommen.
00:12:55: Weil Sie die Jahrhundertwende gerade ansprechen, parallel zu dieser Ausstellung zu Kors haben wir hier in Wien auch eine fantastische Ausstellung zur Honorée d'Aumier.
00:13:03: Und man könnte fast sagen da ist irgendwo auch eine ideelle Beziehung denn D'Amier ist in meinen Augen auch einer der die Kunst ganz schnell sehr populär machen wollte allein schon durch die Techniken der Verbreitung und andererseits der Symbole wie die Birne geschaffen hat die auch eine Art Schifre ist, die sich gut in dem Universum von Chaos wiederfinden könnte.
00:13:24: Er stimmt!
00:13:24: Es hat schon im Jahrhundert begonnen eigentlich mit Wilhelm Busch.
00:13:28: Das sind alles Vorreiter des modernen Comics, auch Gustave Tourette und andere.
00:13:35: Und dann später um den Jahrhundern kam er dazu eben Lionel Feininger der nach Amerika gegangen ist, Kinderkitz gemacht hat mit Slumberland.
00:13:46: Es gab dann eine ganze Welle von den ersten Comics und ich habe ja den alten Karl Marx, also den Erfinder Donalds ein Hausens getroffen und er hat mir gesagt dass er damals weit weg im Mittel-Investen war als kleines Kind und jedes Mal gewartet auf die Sonntagszeitung Die Comics gesehen, er war fasziniert und sie gedacht über sein Traum eines Tages auch so ein Comic-Künstler zu sein.
00:14:12: Und Popeye the Sailor und diese ganzen frühen Comics.
00:14:15: Das heißt das setzt sich immer fort.
00:14:17: Es inspiriert eine neue Generation und dann kommt eine völlig neue Welle und die inspirieren wieder den nächsten.
00:14:22: also man sieht die Continuität aber es bleibt ist Das Grundprinzip dieser direkten Sprache, eine unglaubliche Direktheit diese Comics die jeden sofort erreichen egal welche Sprache spricht und welcher Tradition er kommt das ist etwas dem man sich nicht entziehen kann.
00:14:41: Sprach ist direkt brutal Die erreicht jeden.
00:14:45: Absolut und das ist ein spannendes Phänomen, weil ich glaube dass man egal ob man vor einem haarigen Korswesen steht oder vor einer Mickey Mouse von ihnen Man sich immer identifizieren zu versucht.
00:14:59: Man versucht irgendwie mit diesen Wesen, die da dargestellt sind, die humanoid sind aber trotzdem ein bisschen anders als man selbst zu fühlen eine Resonanz zu entwickeln, zu schauen wie fühlt sich diese Katze oder jene Maus gerade?
00:15:13: Ist sie lustig ist die humorvoll ist die schlecht drauf ist die gut darauf?
00:15:17: dieses Identifikationsmoment ist glaube ich ein großes Potenzial des Comics.
00:15:21: Ich glaube das trifft für jede Kunst zu dass Jeder, der ein Kunstwerk subjektiv erlebt.
00:15:27: Ich habe bemerkt bei meinen Ausstellungen, dass also bei einer Arbeit zehn Leute, zehn verschiedene Bilder sehen.
00:15:33: Das heißt jeder bringt eine Erfahrungshintergrund mit und sieht in dem Bild was anderes bedeutet etwas anderses.
00:15:39: Es gibt keine Bilder wo die manche Leute aufregen und schrecklich finden und andere finden das unglaublich umorvoll und lachen.
00:15:48: Das Kunstwerk erlaubt eine ganz intime und ganz persönliche Erfahrung von dem, der das betrachtet.
00:15:55: Es gibt keine allgemein gültige Sichtweise und Verständnisse eines Kunstwerks sondern jedes Mal entsteht das Kunstwerk neu wenn irgendjemand es betrachtet.
00:16:04: Das Einzige was ich immer erwarte und fordere von jeder Kunst dass sie selbst evident ist.
00:16:09: Das heißt also sich direkt mitteilt auch wenn jemand überhaupt keine Vorbildung hat nichts weiß muss Ein Kunstzeug im Stande ist ein emotional Impact zu erzeugen.
00:16:22: Und Kunst, die diesen Test nicht besteht, halte ich für nicht wichtig.
00:16:29: und die Comic-Kunst ist natürlich was das betrifft Weltmeister.
00:16:34: ja weil es so direkt ist und so verblüffend einfach dass sich immer direkt mitteilt.
00:16:41: Also niemand kann sich damit ziehen oder es nicht wahrnehmen.
00:16:45: Der emotional Impact, den ich bei ihren beiden aktuell präsentierten Mäusen hatte, nämlich Pink and Green Mouse in dieser Ausstellung war auf jeden Fall der des Unbehagens.
00:16:57: Es ist ein für mich bekannter Charakter, den natürlich in der Welt des Humors verorte.
00:17:02: aber es werden die Zähne gebläckt auf diesen beiden Bildern und ich habe das Gefühl diese Maus könnte mich auch gleich fressen.
00:17:10: Ja, das kann Taurus passieren.
00:17:12: Diese Mickey-Maus wurde ja zum Symbol des zwanzigsten Jahrhunderts wirklich.
00:17:18: Dieses süße kleine Maus, die also Fröhlichkeit symbolisieren soll und auch das Symbol dieses Disney-Konzerns wurde hat sich aber so wie der Konzern in dem Jahrhundert verändert.
00:17:35: Das heißt aus dieser Unschuldigen, kreativen Explosion von Disney und seinem Herr vom Künstlern ist dieses Disney-Konzern einfach ein riesiger Kapitalistischer Konzern geworden.
00:17:49: Die Konzernschefs kommen aus der Rüstungsindustrie, aus der Chemischen Industrie das heißt es ist ein gewaltiger Machtfaktor und ein kapitalistisches Monster geworden.
00:18:02: Das heißt in dem Sinn hat die Mickey Mouse ihre Unschuld ein bisschen verloren.
00:18:07: Das heißt, das wird bei ihnen auch gleich mitreflektiert?
00:18:11: Was vielleicht Theodor Wehr, Adorno und Max Horkheimer als die Kulturindustrie bezeichnet haben in ihrer großen Kritik der Popkultur?
00:18:19: Ja wenn es missbraucht wird.
00:18:22: Das Problem ist ja dass der Kapitalismus diese Dominanz dieses Neokapitalismus des zwanzigsten Jahrhunderts eigentlich alle Bereiche des Lebens auch der Kunst komplett durchdrungen hat.
00:18:33: alles geht nur um Kommerz unter Profit, das ist eine große Herausforderung.
00:18:39: Aber ich glaube die Comic-Kunst an sich von dem Charakter so stabil und authentisch und so autark, dass man sie nicht wirklich kaputt machen kann.
00:18:51: Das heißt, she's bouncing back!
00:18:54: Egal was man damit macht, man kann es auch missbrauchen für Profit.
00:18:58: Es ändert nichts dran.
00:19:00: Das kann die Kunst nicht zerstören.
00:19:04: Interessant an dieser Comic-Kunst, dass sie überall stattfinden kann und keine Bedingungen braucht.
00:19:11: Früher hat man die Comics halt am Häusler gelesen ja?
00:19:15: Und die Comics von Robert Crump waren einfach für Freaks und Leiter, die sich eingeraucht haben... ...und erst doch diese High and Low Show habe ich bemerkt das ein bedeutender Künstler ist!
00:19:26: Das stimmt, er ist einer der wichtigsten Zeichen des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:19:30: Ein anderes Potenzial des Comics ist eben sowohl den Humor als auch das, was wir an Canonis nennen parallel stattfinden zu lassen.
00:19:39: Also das Unheimliche!
00:19:41: Das ist ja etwas mit dem sie auch viel gespielt haben.
00:19:44: Ich finde eine der unheimlichsten Begegnungen sind vielleicht tatsächlich dann die der Mickey Mouse und Adolf Hitler.
00:19:50: Wie kommen diese Bilder in ihren Kopf?
00:19:53: Können Sie das beschreiben?
00:19:54: Und warum ist es vielleicht genau deswegen... Ihre Form des Arbeitens, zumindest teilweise die das Comic haften um genau solche Bilder, die unbehagend zu generieren sich denen anzunähern.
00:20:08: Das ist so.
00:20:09: meine Leinwand ist heute aus meiner Bühne und da bin ich Der Diktator.
00:20:16: Ich kann bestimmen, ich kann eine völlig neue Welt schaffen und kann mich bedienen aus der Geschichte, aus der Vergangenheit.
00:20:24: Ich darf reale Figuren auftreten lassen, ich darf Fantasie-Figuren aufteilen lassen.
00:20:29: Ich habe jede meine Rolle verpassen und kann ein Drama stattfinden lassen mit all den Personen die es in der Weltgeschichte gibt oder meiner Fantasies.
00:20:39: Und das ist ein wirkliches Gefühl von Freiheit.
00:20:43: Und ich muss niemand über Laubnis fragen, ich muss das nicht rechtfertigen.
00:20:47: Und so habe ich all die Personen zusammenkommen lassen, die mir für diese kleinen Geschichten wichtig sind.
00:20:52: Wenn Sie auf die Gegenwart schauen und das Drama dass sich Augen wirklich auf unser Welt abspielt was würde der Diktator als der sie sich gerade bezeichnet haben?
00:21:03: demnächst auf seiner Bühne stattfinden lassen.
00:21:05: Welche Clowns sind Ihnen gerade besonders unheimlich und würden eine gute Hauptfigur
00:21:11: machen?
00:21:11: Naja es ist so, wenn Sie meine Kunst ein bisschen kennen, wenn sie merken dass das Comic nur ein wichtiges Element und Aspekt meiner Arbeit ist.
00:21:19: Der andere Aspekt ist eigenes Thema Gewalt gegen Wehrlose, gegen Kinder.
00:21:25: Dadurch ist auch das Kind die zentrale Figur meiner Arbeit.
00:21:29: Auch da ist wieder die Connection zu Comic natürlich Aber das Kind auch als Metapher für die menschliche Existenz, diese Wehrlosigkeit ist ausgeliefert sein.
00:21:42: Und daher spielt dieses Thema bei mir eine große Rolle.
00:21:47: und gerade jetzt ist es so dass wir offensichtlich auf einem dritten Weltkrieg zustauen wenn es so weitergeht Die gesamte Gesangtepolitik und die ganze Elite komplett versagt hat.
00:21:57: Das muss man sagen, das ist eine Katastrophe.
00:22:00: Im Moment sterben unzählige Kinder werden verstümmelt, Bomben regnen nieder, Schulen werden ausgelöscht, so wie Amerikaner mit einer Bombe, in einer Mädchenschule siebenhundert sechsjährigen Mädchen das Leben ausgelöst haben.
00:22:14: D. h., diese Verrohung und Desensibilisierung der Menschen durch diese Massenmedien ist eine Kattastrophe.
00:22:23: in meiner Kunst immer debattmatisiert waren, dass ich auch neu aufgreifen werde mit einer vielleicht erhöhten Schärfe und Direktheit.
00:22:32: Und da sind wir eigentlich wieder bei Ohno Redumier der seine Gegenwart die auch eine sehr blutrünstige war, eine kriegerische, voller Konflikte und Zerstörung eines auseinanderdriftenden Gesellschaft eben in der Kunst dargestellt hat?
00:22:45: Die Menschelsgeschichte war immer blutrüstiger.
00:22:49: Ein Teil der Menschen's Geschichte Bei all den großen Errungenschaften und den bewundernswerten Aspekten war immer auch die Dunkelseite, nämlich Folter, Unterdrückung, Kriege.
00:23:02: Und das hat es zu allen Zeiten gegeben – und immer wieder!
00:23:05: Vor allem ab dem Jahrhundert gab's Künstler, ihre Ästhetik verwendet haben, um den Menschen zu zwingen und sich das anzusehen.
00:23:14: Der erste war eigentlich Goya mit seinen Ratierungen die Gräules Krieges und die Capriccius, die auch einen komikhaften Charakter eigentlich haben mit diesen achtzig Bildern.
00:23:25: aber auch Dormier und Doré und viele andere haben dann sich damit auseinandergesetzt und mit ihrer direkten Bildsprache die Menschen erreicht.
00:23:34: Ich denke gerade an die Kriegstagebücher von Otto Dix, der als Frontkämpfer eher wirklich die Blätter vor Ort in den Gräben hat entstehen lassen und teilweise dann auch aus der Erinnerung heraus.
00:23:45: Aber auch ein unglaubliches Dokument letztlich.
00:23:47: damit wurde für die Historiker.
00:23:49: Ist es so dass die Kunst manchmal einen nachhaltigen und tieferen Eindruck erwerken kann wenn es darum geht Geschichten zu erzählen oder auf etwas hinzuweisen?
00:24:03: als Historiker oder Journalisten könnten.
00:24:06: Wenn ich jetzt denke an Picasso's Garnica, da muss man sagen diese kleine Stadt in der die Nazis achtausend Menschen ermordet haben würde niemand mehr kennen.
00:24:16: Kein Mensch würde sich daran erinnern vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges vollkommen unbedeutend aber durch dieses Werk das übrigens auch sehr komisch auf der Elemente hat wenn wir schon dabei sind dass dieses Werk hat sich in das kollektive Gedechnis der Menschheit eingebrannt.
00:24:32: Das heißt nie wieder wird man gerniger vergessen, jeder kennt es ja und so gesehen glaube ich kann man mit Bildern der Kunst manchmal tiefer ins Bewusstsein der Menschen eingreifen auch als Unterbewusstsein aus mit Worten.
00:24:49: Das ist das eine und das andere.
00:24:50: sicherlich dass die Kunst immer eigentlich etwas Tröstliches haben kann.
00:24:56: In diesem Falle dieser Ausstellung begegnen wir vielen Companions, so hat es die Angela Stief im Katalog beschrieben.
00:25:05: Letztlich sind die Figuren von Kors auch Companions genauso wie für sie im grauen Wien das Sie beschreiben haben der Nachkriegszeit die Mickey Mouse und Donald Duck wahrscheinlich ein Companion waren oder?
00:25:16: Ja richtig ja.
00:25:17: Nur haben wir es mit Kors natürlich nicht mit einem Phänomen der fünftiger und sechziger Jahre zu tun, sondern noch sehr jungen Phänomene.
00:25:24: Er ist vor allem über Social Media, über Instagram bekannt geworden wo er mehr als fünf Millionen Follower zu seinen Companions zählt.
00:25:33: Diese Kunst von Kors ist das in einer gewissen Weise eine Weiterentwicklung der Mickey Mouse in ihren
00:25:37: Augen?
00:25:38: Ja, auf jeden Fall.
00:25:39: Also das Thema wurde aufgegriffen und er konnte dem nicht entgehen so wie viele andere.
00:25:43: So wie Robert Lichtenstein, so wie Keith Haringt, so viele andere an der Mickey Mouse... Und Donald kommt einfach niemand vorbei!
00:25:50: Das heißt auch er ist schon die übernächste Generation.
00:25:53: Er hat eine völlig neue Weiterentwicklung entdeckt aber man sieht ja bei seinen Figuren dass es sich doch alles von der Mickey-Mouse herkommt und er hat sich dann auf andere Comic Characters bezogen und hat völlig neue Formeln, er spielt damit eine neue Formel entwickelt.
00:26:13: Und das ist glaube ich ganz im Sinne jeder Kunst.
00:26:15: Jede Kunst wird von einer nächsten Generation vom Künstlern aufgegriffen und weiterentwickelt.
00:26:20: also kein Kunstwerk ist entstanden in einem Vakuum kommt aus dem Nix es kommt immer aus einer Tradition halt immer die Inspiration der Generation vorher und spiegelt aber auch immer wieder die Gesellschaft, in der dieser Künstler gelebt hat.
00:26:37: Man kann immer Rückschlüsse auf die Gesellschaft ziehen wenn man ein Kunstwerk anzieht.
00:26:41: In dem Sinn ist cause sehr contemporary und hat viel mit unserer Zeit zu tun.
00:26:47: Ich glaube dass das große Kunst immer zeitlos sein wird und über die Zeiten nicht weg gültig sind.
00:26:54: So wie Goyas Greul des Krieges, die um eighteenhundert gemacht hat die Gesellschaft schockiert hat und wo ihm getroht wurde, dass die Inquisition durchgreifen wird.
00:27:07: Die musste das dann zurückziehen.
00:27:09: aber wenn wir heute die Blätter anschauen, wenn man merkt sie waren noch nie so aktuell wie jetzt gerade in dem Moment weil er da beschreibt komikhaften Bildern eigentlich sehr direkt, was Krieg wirklich ist.
00:27:20: Krieg wurde bis dahin immer glorifiziert in Darstellungen von heroischen Hälten irgendwelchen Wüstlinge besiegen und er das erste Mal gezeigt, was kriegwirklich ist nämlich der Moment, wenn die Menschen auf die niedigste Stufe ihre Existenz singt und alle zu Bestien werden oder nicht partei genommen für die Aufständigen Spanier seine Landsleiter gegen die Besatzer aus Frankreich so hat gezeigt dass Alle Beste alle sind.
00:27:47: Sie umbringen, zerstöckeln und vergewaltigen... ...und es ist genau wie Kriege wirklich sind!
00:27:52: Das ist das erste Mal eine realistische Sicht ohne Verklärung.
00:27:56: Es war ein sehr schönes Gespräch Herr Helnwein.
00:27:58: ich bedank mich sehr.
00:27:59: Gut,
00:27:59: ich bedanke mich auch.
00:28:01: Und euch liebe Zuhörerinnen und Zuhöhrer vielen Dank fürs Zuhören.
00:28:05: Die Ausstellung Cours Art & Comics ist noch bis siebenzwanzigsten September zwei tausend sechsund zwanzig an der Albertina Modern in Wien zu sehen.
00:28:15: Lange Ohren, der Albertina Podcast.
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